Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 210)
- Language
- German, English, Hebrew
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Blumenfeld 207 heute umgehenden Ansichten über unsere aktuelle Politik aus diesem Kreise stammt. Der Gedanke des binationalen Staates hat sich von dort aus durchgesetzt (Zwischenruf: Bei wem?). Wenn Ben Gurion von „Parität" spricht, so ist das doch dasselbe. Die produktiven Elemente sind nicht Elemente des „Verzichtes". Ich glaube, daß ein Zionismus, der Menschen und Mittel für Palästina produziert, mehr für sich spricht und für die Ernsthaftigkeit einer Sache als eine Formulierung, zu der nichts gehört, am allerwenigsten aber Mut. Wenn Sie Proklamationen abgeben, dann zwingen Sie die englische Regierung dazu, wie es bisher immer geschehen ist, sich schützend vor die anderen zu stellen. Das können Sie erreichen, wenn Sie eine Mehrheit verlangen. Sie beherzigen offenbar variiert jenes Wort von Gambetta: Immer davon reden, aber nichts dazu tun. Sie treiben eine Welt, die keinen Grund hat sich zu fürchten, mit Ihren Reden in eine Angstpsychose hinein. Unter Berufung auf das, was Sie sagen, wird die Spannung in Palästina zum Siedegrade gebracht. Wir brauchen und wollen Ruhe für das Wachsen eines großen nationalen Jischuw, wir glauben an die Kraft des Volkes, das sich in Erez Israel offenbart, aber nur dann, wenn es uns gelingt, durch Zusammenfassung der Kräfte jedes Jahr Tausende in das Land zu bringen, auch unter schlechten Verhältnissen. Und Ihre Methoden sind es, die unsern Gegnern die Handhabe geben, uns in unserer Arbeit zu erdrosseln. Sie diskreditieren den Mehrheitsgedanken, indem Sie nämlich ein leeres Wort aus einer Sache machen, die nur erarbeitet werden kann. Und wenn einer der Vorredner sagte, Zionismus werde heute zu einer Art von assimilatorischem Liberalismus, so irrt er sich, denn dieser Liberalismus ist nicht mehr modern. Die neue Assimilation vollzieht sich mit Hilfe ganz anderer Geistesrichtungen. Und ich sehe mit Schrecken, daß der Zionismus in der Tat Elemente und Embleme aufnimmt, die im Gegensatz stehen zu dem Gedanken der Erneuerung des jüdischen Lebens (Beifall). Und ich gestatte mir hinzuzufügen, daß das Schlimmste dabei die Helfershelfer sind- Ich anerkenne, daß die Revisionisten mit Recht eine klare und eine eindeutige Entscheidung verlangen. Die Frage ist, ob unsere Parole die ist, daß wir das Basler Programm heilig halten und zugleich jetzt in einer schweren Zeit, wo unser Weg bedroht ist, mit allen Kräften für seine Verwirklichung arbeiten. Ich möchte dabei eines bemerken, das vielleicht außerhalb dieser Diskussion steht, aber ein Wort, das notwendig ist: das Werk, für das wir heute arbeiten unter der Führung des größten Mannes in der jüdischen Welt, eines der genialsten Staatsmänner, die heute leben, wir verdanken es Dr. Weizmann (lang andauernder Beifall hei einem Teil des Kongresses). Er hat den Mut gehabt, auf billige Popularität zu verzichten, obwohl gerade er imstande ist, allen Sehnsüchten der Massen unseres Volkes Ausdruck zu geben. Er hat die Kraft gehabt, auch unter den ungünstigsten Bedingungen gegen den Ansturm einer leidenschaftlichen öffentlichen Meinung Besonnenheit zu bewahren. Vielleicht nicht immer mit genug Kraft, aber es war schon etwas Ungeheures, daß er dies getan hat. Wir hoffen, daß die Zeit kommen wird, wo in reiner Form seine Gedanken sich durchsetzen werden. Wir glauben, der Zionismus kann nur leben, wenn er als politische Bewegung sich selbst ernst nimmt, dem arabischen Problem ernstlich zu Leibe rückt, nicht mit Redensarten sich begnügt, wirklich ein Vertrauensverhältnis zur Mandatarmacht herzustellen versucht und wenn er die Kraft hat, die sittlich überwälti-