Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 209)
- Language
- German, English, Hebrew
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2C6 7. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte Kraft bedeutet, daß man etwas in die Wirklichkeit umsetzt, Leben schafft. Manche glauben freilich angesichts ihrer Impotenz, Kraft bedeute Proklamation. Immer diente Kriegsgeschrei mehr dazu, sich selbst Mut zu machen, als anderen Schrekken einzujagen- Ich möchte über diesen Abschnitt das folgende Wort eines großen Juden unserer Zeit setzen: Der Wanderer, der im Dunkeln singt, überwindet zwar seine Angst, aber es wird deshalb nicht heller (Dr. BODENHEIMER: Wir stecken das Licht an!) Aber das versuchen Sie ja schon seit Jahrzehnten vergeblich, Herr Justizrat! Vor uns steht nur die Frage: Was hat zu geschehen? Sie sagen, die englische Regierung habe uns 1917 viele Versprechungen gemacht. Sie beziehen sich auf die Formel „Jewish Zionist Aspirations". Aber warum fragen Sie sich nicht, warum es uns nicht geglückt ist, damals in die Balfour-Deklaration das Wort: „Palestine as a national home" einzufügen? Man hat das ausdrücklich abgelehnt. Unser Freund Balfour war es doch, auf dessen Antrag in Genf Transjordanien von Palästina abgetrennt wurde (Zwischenruf: Leider!) Selbstverständlich: leider! Man hat uns damals sicher Großes geben wollen, aber in der Formulierung des Versprechens war man vorsichtig. Es ist bekannt, daß England immer nur Chancen gibt und nur solange, als der andere die Kraft hat, daraus eine Wirklichkeit zu machen. Unser Recht und unsere Zukunft beruhen auf die Dauer nicht allein auf der Balfour-Deklaration, sondern ihre Berechtigung muß ständig durch unsere Leistungen bekräftigt werden. Jetzt ist die Frage: Auf welchem Wege sollen wir vorwärtskommen? Auf der einen Seite sagt man: Jetzt werden wir die größten Anstrengungen machen, und zwar unabhängig von der politischen Konstellation, und auf der anderen Seite: Der Zionismus ist nur zu verwirklichen, wenn hier bestimmte politische Formeln beschlossen werden. Ich glaube, das wäre ein sehr bedingter Zionismus. Eine der Möglichkeiten, unsere Arbeit zu erweitern, war die Heranziehung der Kräfte des jüdischen Volkes, und ein Mittel dazu war die Jewish Agency, die mein Vorredner aufs schärfste kritisiert hat. Wer Realpolitik macht, muß wissen, daß die Kraft der Bewegung in dem elementaren Drang des jüdischen Volkes liegt, unabhängig von allen Ihren Beschlüssen- Die nationale Bewegung ist immer uferlos, findet niemals ihre letzte Erfüllung, sondern lebt durch die ungeheure, unmeßbare Kraft des Volkes. Die große nationale Bewegung, die die Kraft hat, sich gegen Kompromisse zu wehren, und die auch im Galuth ihren Mann stellt, beruht auf ganz anderen Grundlagen. Wäre der Zionismus nichts anderes als das, was der Kongreß in einen Satz gießen kann, würde er nicht viel bedeuten können. Er ist aber mehr als der „Judenstaat unterwegs", er ist die letzte Kraft des jüdischen Volkes, das selbst noch nicht weiß, — und darum braucht es uns — warum der Zionismus die Antwort auf die Judenfrage ist. Und so erstreben wir: In Palästina eine Siedlung zu schaffen, gekennzeichnet durch freies jüdisches Leben, wobei man bedenken muß, daß Freiheit und Sicherheit nicht dieselben Begriffe »sind. Das eine ist garantiert durch Polizei und Gesetz, das andere erobert, nicht garantiert. Die Frage ist: Wie erhöhen wir die Quantität unserer Siedlung (Zwischenrufe: Brith Schalom). Ein offenes Wort dazu, daß Sie bei jeder Gelegenheit das Wort Brith Schalom in die Debatte werfen. Ich habe immer Meinungen abgelehnt, die mit einem Verzicht auf Mehrheitswerdung verbunden sind. Aber ich weiß, daß ein großer Teil der