Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 208)
- Language
- German, English, Hebrew
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Blumenfeld 205 Ebenso wenig ist die Einführung von allgemeinen Glaubensüberzeugungen ins politische Leben von irgend welcher Wirkung. Das absolute „Ani maamin" gehört nicht in die politische Kategorie. Als zentrale Idee arbeitet es mit der Zeitlosigkeit, mit der eine andere jüdische Welt, nicht aber der Zionismus sich begnügte. Der Zionismus will den Gedanken von der Erneuerung des Judentums und des jüdischen Volkes in unserer Zeit in die Wirklichkeit überführen (Zwischenruf STRICKER: Ohne Überzeugungen und Hoffnungen wollen Sie eine nationale Bewegung machen? Beifall). Ich sehe, mit welchem Enthusiasmus Sie Worte eines Delegierten bejubeln, der einem großen Teil seiner zionistischen Kollegen imputiert, daß sie ohne Überzeugungen und Hoffnungen in unserer nationalen Bewegung arbeiten. Es ist an der Zeit, nachzuprüfen, was man in unserer Bewegung unter Größe und Kraft und was man unter Kleinheit und Verzicht zu verstehen hat. Ich wage es, zu behaupten, daß auf der Seite der Opposition Symptome von wirklicher Verzagtheit, Kleinmütigkeit und politischer Verzichtstimmung zu finden sind. Ich füge hinzu, daß ich Anzeichen für diese innere Verfassung in noch höherem Maße bei gewissen Teilen der Mitte sehe, die gar nichts wollen und in der Verkoppelung unvereinbarer Tendenzen ein politisches Programm erblicken. Aus der Tatsache, daß der Führer der Revisionisten auf den Versuch verzichtet hat, zu zeigen, wie wir unser Programm gegenüber den uns entgegenstehenden politischen Kräften durchzusetzen vermögen, sondern ohne jede Einschätzung der nichtjüdischen Machtfaktoren einfach seine Forderungen in proklamatorischer Weise aufgestellt hat, muß man folgern, daß unsere Sache im Augenblick als politisch verloren zu betrachten ist. Politik im luftleeren Raum ist eben keine Politik mehr, und die größere Wucht der politischen Anschauung liegt nicht in der Verkündigung superlativischer Formeln. Es wäre dann übrigens sehr einfach, Ihre Forderungen als völlig ungenügend hinzustellen, und ich wäre gerne bereit, Ihnen ein noch schöneres und noch weitergehendes Programm zu entwerfen. (Dauernde Zwischenrufe. Redner wendet sich an die Zwischenrufer:) Meine Herren, Sie haben sich gestern gegen einen Vergleich, den Berl Locker in seiner Rede gemacht hat, mit Recht gewehrt. Sie sollten wirklich nicht alles tun, um nachträglich durch Ihr Verhalten dem ungerechten Angriff gegen Sie eine Grundlage zu geben. Es wäre Sklaverei und nicht die auch von Ihnen erstrebte Freiheit, wenn man in unseren Debatten jeden unwillkommenen Gedanken niederschreien würde. Es ist übrigens nicht so einfach, über richtige und falsche Politik zur Klarheit zu kommen. In einem Vortrag, in dem Ihren Anschauungen entsprechende Gedankengänge ausgeführt wurden, wies ein Redner nach, daß unsere Propheten besonders schlechte Politiker gewesen sein. Ich will hier nicht untersuchen, ob er Recht hatte. Aber ich weiß das Eine mit Sicherheit, daß alle unsere Überlieferungen uns zeigen, wie die Erhaltung unseres Volkes nur durch Aufrichtigkeit und durch den Mut gegen uns selbst garantiert worden ist. Es ist müßig darüber zu reden, ob Herzl ein Judenstaatler war. Aber eines ist sicher: für die Judenstaatsidee, d. h. den Gedanken der reinen Souveränität, bedeutete Palästina eine Belastung. Darum haben sich die Territorialisten nach einem anderen Lande umgesehen. Wir aber sagten: Wir nehmen dieses Land mit allen seinen Belastungen: der einheimischen Bevölkerung, der Mandatarmacht, den Schwierigkeiten der Besiedlung. Mit all dem müssen wir real fertig werden. Und dabei kommt es nicht darauf än, was wir sagen, sondern darauf, was wir können.