Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 203

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 203 (sequence 206)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476288--8011-3484160
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Lichtheim, Blumenfeld 203 um die Kooperation, jeder will sie haben, sie wäre auch weiter vorgeschritten, wenn man einen vernünftigeren Weg gewählt hätte, als das Recht der Jewish Agency auf eine nichtexistierende Schein-Organisation zu übertragen. Die Formen unserer Organisation sind geblieben, aber alles ist zum Schatten geworden, es hat keine Kraft und kein inneres Leben mehr, denn wir haben verzichtet auf das, was einmal der Sinn des Zionismus gewesen ist. Für uns ist tatsächlich der Zionismus der Judenstaat unterwegs, ist die Organisation die gedankliche Vorausnahme des Juden Staates. Dieser Kongreß hatte unter Herzl einmal die Würde des jüdischen Parlamentes. Geben Sie ihm diese Würde wieder, zeigen Sie, daß hier das Volk versammelt ist durch eine würdige Repräsentation, nicht durch eine, die ihre Erstgeburt für ein Linsengericht verkauft (Beifall). Was haben Sie aus dieser Zionistischen Organisation in diesen Jahren gemacht? Begreifen Sie nicht, daß die ganze Auffassung, die einmal der Zionistischen Organisation zugrundelag, seit der Konstruktion der Jewish Agency verschwunden ist? Vor einigen Tagen sprach ich in Berlin Herrn Lee K. Frankel, einen bedeutenden Repräsentanten der amerikanischen Nichtzionisten, und fragte ihn, warum uns die Jewish Agency kein Geld gebracht habe und warum die Nichtzionisten für uns nichts in Amerika tun können. Er antwortete sehr pessimistisch. Aber das Entscheidende ist nicht, daß die Kassen leer geworden sind, sondern daß mit der Jewish Agency der Sinn des Zionismus verschwunden ist. Es scheint mir, daß der Zionismus anfängt, eine Parallelerscheinung des jüdischen Liberalismus der fünfziger Jahre in Deutschland, eine Angelegenheit von Sonntagsrabbinern zu werden (Beifall), eine schöne Sache für Freunde von Banketten, auf denen man sein gutes jüdisches Herz ausschüttet über die Beteiligung an einer jüdischen Sache in Erez Israel. Daß dieser Geist immer weiter um sich greift, das fürchte ich, und darum rufe ich Ihnen zu: Kehren Sie zurück, geben Sie dem Kongreß seine Rechte und seine Souveränität wieder! Mit den Nichtzionisten werden wir uns dann schon leicht verständigen können. Sie sagen, die Organisationsfrage sei eine technische Frage. Was sind technische und was sind ideale Fragen? Sie alle kennen den berühmten Brief Theodor Herzls an den Baron Hirsch, in dem er über die Imponderabilien einer Bewegung schreibt und sagt: „Eine Fahne, was ist das? Eine Stange mit einem Fetzen Tuch? Nein, eine Fahne ist mehr als das: mit einer Fahne führt man die Menschen, wohin man will, selbst ins gelobte Land." Eine Fahne oder eine Stange, mit einem Fetzen Tuch! Für denjenigen, der den Geist der Sache nicht versteht, sieht beides gleich aus. Da ist der Kongreß, da ist der Apparat der Bewegung — eine Stange mit einem Fetzen Tuch! Machen Sie wieder eine Fahne daraus! (Lebhafter Beifall.) KURT BLUMENFELD (Allg., A.C. — spricht deutsch): Es ist mit Recht darauf hingewiesen worden, daß Max Nordau seine Meinungsäußerung aus dem Jahre 1916 unter dem Drucke äußerer politischer Verhältnisse abgegeben hat. Man konnte darauf hinweisen, daß Nordau auch auf dem Hamburger Kongreß im Jahre 1909 unter dem Druck äußerer Verhältnisse, nämlich der jungtürkischen Bewegung, erklärt hat, daß man die Charterforderung in das Archiv der Zionistischen Organisation verschließen müsse. Man könnte natürlich ebenso sagen, daß auch Dr. Weizmann im Jahre 1922 seine Zustimmung zum ChurchilPschen Weißbuch, in welchem er doch auch persönlich scharf angegriffen wurde, nur unter dem Druck äußerer Verhältnisse gegeben hat, daß auch der jetzige Führer der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.