Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 204)
- Language
- German, English, Hebrew
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Thon, Motzkin, Lichtheim 201 Verständnis, so doch ein richtiges Gefühl dafür hat, wo der Zionismus steht und was heute geschehen muß. Und darum will ich auch dem Redner der Linken, der uns gegenüber gestern einen so scharfen Ton angeschlagen hat, nur kurz antworten. Es wird uns gegenüber von der Linken häufig mit allgemeinen Worten polemisiert, die aus dem Wortschatz der umgebenden Völker entnommen sind und eine Assimilation darstellen, die wir lebhaft bedauern. Es gehört heute mehr Mut für eine intellektuell gebildete, städtische Jugend dazu, sich eine Uniform anzuziehen, als eine pazifistische Gesinnung zu zeigen, die im Nachkriegseuropa verdammt billig geworden ist. Wenn wir den Mut hatten, unseren Weg auch in der Frage der Erziehung der Jugend zu gehen, und wenn wir unsere Jugend militärisch schulen, so tun wir es nicht als eine Konzession an die Umwelt, sondern weil das innere Gesetz unserer Bewegung, die sich ihre Heimat in Palästina schaffen will, das verlangt. Wie kann jemand im Ernst behaupten, der Revisionismus sei seiner Natur nach eine wirtschaftsreaktionäre Bewegung? Wir wollen doch genau wie Sie möglichst viel Juden in möglichst kurzer Zeit nach Palästina bringen und sie möglichst rasch auf dem Lande ansiedeln. Und wir könnten diese Dinge sehr gut gemeinsam machen, wenn es nicht ganz andere Fragen wären, die uns trennen. Dazu gehört nicht in erster Linie das soziale Problem, obwohl wir von der Wirtschaftsgestaltung eine andere Anschauung haben als Sie, da wir dem Mittelstand und der Privatinitiative eine viel größere Bedeutung zumessen. Aber darüber könnte man sich verständigen, nicht aber darüber, welche Rolle Sie der Zionistischen Organisation zugewiesen haben. Was uns trennt, ist Ihr Bündnis mit der offiziellen Politik, die Sie vielleicht nicht immer mit ganzem Herzen mitgemacht haben, die aber von Ihnen als Kongreßpartei stets unterstützt worden ist. Dadurch hat sich die Kluft zwischen uns auf getan. Die Hauptfrage dieses Kongresses ist die der zionistischen Zielsetzung. Ich will den Versuch unternehmen, Ihnen noch einmal klarzumachen, warum der Kongreß ein deutliches Wort sprechen muß, was der Zionismus ist und was er will. Herr Ussischkin hat gestern etwas gesagt, was sicher auf viele Eindruck gemacht hat, weil man das so sagen kann und weil ein guter Sinn darin steckt. Er sagte, er wolle überhaupt nicht über eine Zielformel sprechen, denn jede Formel sei ihm zu eng. Und Herr Locker sagte, man könne den Zionismus nicht damit definieren, ob in Palästina 49 oder 51 Prozent Juden sind. Das wirkliche Problem sei, daß 15 Millionen Juden in der Welt zerstreut sind und ihre Heimat wieder aufbauen wollen. Beide Auffassungen sind in gewissem Sinne richtig, aber beide in der heutigen Situation grundfalsch. Wir wollen uns bei der Frage der Zielsetzung nicht in Mystik verlieren, aber gewiß ist, daß der Zionismus mehr ist, als eine bestimmte Anzahl von Juden auf einem abgesteckten Territorium. Und dennoch waren wir gezwungen, vom Anfang der Bewegung an unser Ziel zu formulieren. Warum? Weil die Ausführung des Zionismus nicht von uns allein abhängt. Wäre das der Fall, dann wären wir niemandem Rechenschaft schuldig und könnten mit dem Ideal in unserem Herzen schweigend tun, was wir wollen. Aber wir hatten vom Anfang an damit zu rechnen, daß der Zionismus in der Welt der politischen und wirtschaftlichen Realität durchgesetzt werden müsse. Wir mußten äußeren Faktoren Antwort auf die Frage geben: Was wollt Ihr in Palästina tun? Auf dem ersten Kongreß haben wir mit Rücksicht auf die