Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 200)
- Language
- German, English, Hebrew
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Farbstein *97 auf der letzten Sitzung des Aktionskomitees den Vorwurf, ich hätte ihm in den ersten Jahren nach dem Kriege gesagt, seine Politik gehe dahin, in Erez Israel nur eine Minderheit zu schaffen. Man behauptet, daß jetzt nur dumme Leute zu Propheten geworden seien. Ich will zu diesen dummen Leuten gehören, die voraussagten, daß wir in diese Lage kommen wrerden, in der wir uns jetzt befinden. Man-hat heute in Erez Israel dieselbe Lage wrie in der Diaspora geschaffen, man hat in Erez Israel um Minoritätenrechte zu kämpfen. Eine kleine Illustration, wie die Politik in der Leitung aussieht, können Sie aus der Kongreßzeitung sehen. Als der offizielle Vertreter des jüdischen Gemeindebundes das Wort „Judenstaat" erwähnte, hielt es die Leitung der Kongreßzeitung für nötig, dieses Wort auszulassen. Es darf nicht erwähnt werden (Beifall bei Revisionisten und Misrachi). Dies ist noch schlimmer als Vogel Strauß-Politik. Denken denn unsere Führer wirklich, daß sie jemanden werden täuschen können? Unsere Gegner werden •doch unsere täglichen Gebete und Klagegebete nehmen und zeigen, daß wir dort von einem Juden Staat sprechen. Ich muß sagen, daß die Reformer in Deutschland ehrlicher handelten als die Leute des Brith Schalom in Deutschland. Als die Reformer den Glauben an Palästina verloren hatten, haben sie das Wort Erez Israel aus den Gebeten ausgemerzt. Wenn man aber den Glauben an Erez Israel verliert und noch davon spricht, so ist das eine Feigheit. In keiner anderen ehrlichen Organisation hätte man solche Leute geduldet, die das Ideal des Volkes verleugnen. Bei uns befinden sich aber Leute vom Brith Schalom in der Leitung. Wir haben schon vor einem Jahre verlangt, daß man in keine Verhandlungen mit der englischen Regierung eintritt und den Kongreß zusammenruft. Man hat uns die verschiedensten Motive angeführt, warum man den Kongreß nicht zusammenrufen kann. Eines der Motive war, daß Präsident Weizmann nach Amerika gehen müsse, um Geldmittel aufzubringen. Ist Präsident Weizmann nach Amerika gegangen? Warum wurde die Einberufung des Kongresses verschoben? Warum hat man erlaubt, daß auch nach Veröffentlichung des Weißbuches Verhandlungen geführt wurden? Warum gestattete man, daß Dr. Weizmann eine Antwort auf den MacDonald-Brief erteilt? Herr Jabotinsky machte gestern eine •ganz klare Analyse des MacDonald-Briefes, und es ist klar, daß dieser Brief für uns ein Unglück ist. In Genf darf man uns aber jetzt sagen: Was wollt Ihr? Euer Führer ist ganz zufrieden. Nun hat man die Immigration von Arbeiterfamilien ganz eingestellt. Man beruft sich darauf, daß es arbeitslose Araber gibt. Dafür tragen die Verantwortung diejenigen, die nicht zugelassen haben, daß ein Kongreß einberufen wird. Ein besonderes Kapitel bildet, für den Misrachi wenigstens, die Frage des Kotel Hamaarawi. Wir betrachten das, was geschehen ist, als eine Schande für unsere Sache. Auf den Sitzungen des A.C. haben wrir gegen die Erklärung protestiert, daß der Kotel Hamaarawi nicht uns gehört. Sc hat es die Zionistische Organisation verlautbart, ohne unsere Ansicht zu berücksichtigen; auch hat man Raw Kook in diese Sache hineingezogen. Wenn man uns den Kotel Hamaarawi gegen unseren Willen weggenommen hätte, so hätten wir eine Antwort für die nächsten Generationen. Jetzt haben wir aber selbst erklärt, daß der Kotel nicht uns gehört, dieser Kotel, vor dem seit zweitausend Jahren Juden klagen und weinen. Können wir eine solche Politik des ewigen Rückzugs für gut halten? Sie glaubten, Sie würden auf den Kotel verzichten und würden dann eine andere Konzession erhalten. In Wirklichkeit ist es aber anders. Man wird Ihnen dies und