Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 195)
- Language
- German, English, Hebrew
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192 6. Kojjgreß-Sitzung: Generaldebatte kutive die Politik überlassen will, es sich vorbehält, mit der Mandatarmacht und der Palästinaregierung über Zölle zu verhandeln u. dergl., so weiß ich wirklich nicht, was die Zionistische Exekutive eigentlich noch zu tun hat. Vor einigen Tagen erst hat mir ein bekannter amerikanischer Zionist, der den großen Fehler hat, jiddisch zu schreiben und zu sprechen, gesagt: „Ihr seid ja gute boys, aber warum laßt Ihr die Privatinitiative nicht zu?" Ich fragte und frage: Wann haben wir die Privatinitiative gestört? Woher kommt diese Kampagne von Verleumdungen und Gerüchten, die an den beschränkten Horizont des kleinen Baleboß appellieren, der nicht weiß, was Sozialismus ist, und bloß weiß,, daß man den Sozialismus hassen muß? Das kommt daher, daß eine große Zahl von Zionisten sich in tragischer Lage befindet. Als jene Jahre kamen, wo nur der idealistische und völlig arme Chaluz nach Palästina ging, da mußte der Zionist Budgets bewilligen, sich auf den Chaluz einstellen. In die Situation eingelebt allerdings haben sich nur ganz wenige Zionisten, und Ihr könnt nicht auf viele Ussischkin, Weizmann, Grünbaum, Ruppin und Schmarjahu Levin hinweisen. Bei dem großen Teil von Ihnen herrscht die Meinung vor, wenn man den Chaluz loswerden kann, dann soll man die Gelegenheit dazu ergreifen. Ich aber möchte ein Wort von Max Nordau variieren: „Der Zionismus wird entweder durch den Chaluz gebaut v/erden oder er wird nicht gebaut werden." Denken Sie daran,, wohin Sie gehen! (Lebhafter Beifall.) Dr. GEORG HALPERN (Allg., Weltw. — spricht deutsch): Namens einer Gruppe Allgemeiner Zionisten, die 60 Mitglieder zählt und der die großen Landsmannschaften Amerika, beide Galizien, Südafrika und eine ganze Reihe kleiner Landsmannschaften angehören, habe ich die Ehre, kurz unsere Ansicht über die Situation vorzutragen. Der letzte Redner hat sich besonders an unsere Gruppe gewendet und uns ein Kolleg darüber gelesen, in welche Gefahr wir uns begeben. Demgegenüber sage ich: Die einzige Möglichkeit ist die Schaffung einer Koalition aller Parteien. Wer von Ihnen nur den Mut aufbringt zu sagen, er habe dem anderen bewiesen, daß er ein miserabler Kerl sei, und sich dabei beruhigt, dem können wir nicht folgen. Ich weiß nicht, ob wir alle zusammen stark genug sind,, die Situation zu bewältigen, von der Sie noch näheres in der Budgetkommission hören werden. Daß wir Sie nicht tragen können, wenn nichts geschieht, als daß Rechts und Links sich bekämpfen, ist klar. Wir brauchen diese Einheit aber auch, um die Front nach außen zu halten. Damit komme ich zur Frage England. Ich will mich nicht wie viele andere hier als Staatsrechtslehrer produzieren, aber ich glaube nicht, daß viele von den heutigen Definitionen in die Wörterbücher der Staats wissen schaften eingehen werden. Ich bedaure, daß dem Gefühl der Unruhe darüber, in welcher Form wir jetzt von England behandelt werden, von Dr. Weizmann kein Ausdruck verliehen und die Möglichkeit der Kooperation ohne Einschränkung unterstrichen wurde. Immer ist die englische Regierung der gute Engel und das jüdische Volk der schwarze Teufel; immer kann das nicht wahr sein. Wir haben einen Traum, den wir jahrelang geträumt haben, ausgeträumt, den Traum, daß endlich jemand sich für das Volk der Juden gefunden hat, zu dem wir restlos Vertrauen haben können. Nie sind die Juden jemandem vertrauensvoller entgegengetreten als der englischen Regierung. Vielleicht sollte man zu keinem fremden Volke so viel Vertrauen haben; aber wir hatten diese Vertrauensseligkeit und wir sind aufs schwerste enttäuscht. Wenn man uns die Mög-