Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 191)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476288--7996-3484145- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
i88 6. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte Ich bin einverstanden, als unser Ziel in der Landwirtschaft für die nahe Zukunft anzunehmen die Ansiedlung von 50.000 Familien in dem Teil Palästinas, von dem man sagt, daß er heute offen ist. Aber das ist nicht das Endziel, kaum der Anfang eines Anfangs vom Endziel. Ich möchte nicht die Behauptung Weizmanns über die Motive der Balfour- Deklaration und des Mandats unterschreiben. Ich bin sicher, daß der Mann, dessen Namen die Deklaration trägt, hohe Ideale und, wenn man will, biblische Motive hatte. Aber auch in der englischen Politik entscheiden nicht nur Männer, sondern Interessen. Und ich weiß nicht, warum man sagt, daß das politisch-strategische Interesse keine Rolle gespielt hat. Lloyd George hat in der Parlamentsdebatte über das Weißbuch etwas anderes gesagt. Das sage ich, weil das Problem Palästina im engen Zusammenhang mit den großen Kolonial- und imperialistischen Problemen in der Welt steht und weil man, wenn man das Palästinaproblem behandelt, diese anderen Probleme nicht vergessen darf. Und spricht man über Realpolitik, dann darf man diese Dinge gewiß nicht vergessen. Noch etwas: Ich weiß nicht, ob wir heute unser historisches Endziel formulieren müssen, obwohl ich keine Furcht davor habe. Es ist nicht Messianismus. Aber ich glaube, wenn man von Massenkolonisation spricht — und man muß davon sprechen — und wenn man von der großen jüdischen Not spricht, und wenn man davon spricht, daß Millionen Menschen das Recht haben, durch ihre eigene Arbeit und ihr Kapital sich ihr eigenes Leben im Lande zu bauen, dann muß man auch davon sprechen, daß diese Tätigkeit nicht auf das westliche Ufer des Jordan beschränkt sein kann. Die Frage von Transjordanien muß aufhören, ein Noli me tangere in der zionistischen Bewegung zu sein. Der Arbeiterflügel, besonders die Poale Zion, haben die Angelegenheit Transjordaniens niemals verschwiegen. Als wir davon sprachen, sagte man uns: Ihr macht den Zionismus unglücklich. Heute hat sich die Situation geändert — ich will nicht sagen, daß die politische Situation glänzend ist, aber es ist charakteristisch, daß man in der Außenwelt von Transjordanien spricht und zum Teil in positivem Sinn spricht. Wir haben heute eine von den sehr gut vorbereiteten und wahrscheinlich wohlüberlegten Reden von Jabotinsky gehört. Er hat mehrmals unterstrichen, daß man in einem Dokumente nicht nur das lesen muß, was darin steht, sondern auch das, was nicht darin steht. Auch auf seine Rede ist derselbe Grundsatz anzuwenden. Er hat versucht, uns auf Grund vieler Dokumente zu beweisen, was wir bisher offenbar nicht wußten — daß die politische Situation schlecht ist. Der Schluß, zu dem Jabotinsky mit dieser Feststellung kommen «wollte, war: die Lage ist nicht nur schlecht, sondern sie ist unerträglich. Das bedeutet, die jetzige Lage und der MacDonald-Brief können keine Grundlage von Kooperation sein. Daraus folgt — das ist etwas von dem, was Jabotinsky nicht gesagt hat — Non¬ Cooperation. Nun, die Revisionisten halten sich wahrscheinlich für die Entdecker neuer Theorien. Aber Non-Cooperation haben bereits andere vor euch geschaffen, nur in ein wenig anderer Situation. Non-Cooperation mag eine ausgezeichnete Sache sein für ein Volk von 320 Millionen, das in seinem Lande sitzt. Die Griechen Anatoliens konnte man umsiedeln, aber die Inder Indiens kann man nicht vertreiben. Aber in unserer Lage ist der Gedanke der Nori-Cooperation illusionär und schädlich.