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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 186

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 186 (sequence 189)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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i86 6. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte nur durch die Dynamik. Das heißt, wir fordern schon heute Parität, da wir morgen nicht 20 Prozent, sondern 30 Prozent sein werden, übermorgen 40, dann 50 und so weiter. Der radikalste Nationalist in der Diaspora wird nie auf die Idee kommen, eine solche Forderung zu stellen, die Forderung der Gleichstellung des jüdischen Kollektivs mit der ganzen Bevölkerung des betreffenden Landes. Warum ist es so? Weil sich die Dynamik der jüdischen Kollektiven in der Diaspora nicht in der Richtung des Aufstiegs bewegt, sondern in der Richtung des Niederganges. In Palästina aber befinden wir uns in der Linie des Aufstiegs und daher fordern wir schon jetzt Parität in allen Angelegenheiten. Das ist also eine große Kampfparole für den heutigen Tag. Wenn man aber daraus ein Endziel machen will, dann tötet man die Seele des Zionismus, die das Streben nach nationaler Befreiung und Wiedergeburt ist. Überhaupt muß ich bemerken, daß, wenn man bei uns über das Endziel spricht, ein Wirrwarr der Begriffe entsteht. Man macht keinen Unterschied zwischen dem Ideal und der aktuellen politischen Forderung. Als bester Beweis hiefür konnte die glänzende Rede von Jabotinsky dienen. In dieser Rede konnte man den Wirrwarr von idealen und aktuellen politischen Forderungen spüren. Jabotinsky versteht, daß man als aktuelle Kampfparole nicht den Judenstaat aufstellen kann. Er spricht daher von der Mehrheit. Das kann, glaubt er, schon als Kampfparole dienen. Wenn man aber über das Endziel spricht, so begibt man sich auf das Gebiet des Ideals, und da werde ich von dem Begriff des Judenstaates nicht einen Schritt weichen (Beifall). Nun sagt man uns: Man weiß nicht, was ein Staat heißt. Pennsylvanien ist ein Staat, England ist ein Staat, Kanada ist ein Staat usw. Wollen wir uns nicht in solche juristische Plaudereien einlassen! (Beifall.) Wir reden von konkreten politischen Dingen, und da können juristische Argumente manchmal gut am Platze sein, aber die passen nicht immer, besonders dann nicht, wenn das Endziel zur Sprache kommt. Für uns ist Staat der Inbegriff der Befreiung. Ein freies Volk, das über sich und sein Land Gewalt hat — dafür gibt es keine andere Form als den Staat, wenigstens in der jetzigen Ordnung der Dinge. Ist der Staat der Inbegriff unserer Befreiung und der Lösung der Judenfrage, so würde es doch dem Selbstmord des Zionismus gleichkommen, wenn er sagte, daß er die Frage des unterdrückten, gepeinigten jüdischen Volkes, das Befreiung ersehnt, nicht lösen will. Aber das ist das Endziel, die Geulah. Das heißt, daß wir einmal souverän sein wollen in unserem eigenen Land. Unsere Freunde von links haben Befürchtungen. Der heutige Staat ist nach ihrer Anschauung ein Werkzeug der Unterdrückung. Das mag richtig sein, aber sind nicht wir Juden diejenigen, die über die Welt gehen und dafür kämpfen und bluten, daß die Staaten überall der Gesamtheit der Bürger im gegebenen Lande gehören und von ihr getragen werden sollen? Wir brauchen nicht zu fürchten, daß unser Staat ein Instrument der Unterdrückung sein wird. Wir werden doch immer, selbst wenn wir schon einen Staat haben werden, neben allem anderen von der Lage der Juden in der Diaspora abhängen und das wird verhindern, daß unser jüdischer Staat ein Werkzeug der Unterdrückung wird. Aber ein Staat gehört dem, der ihn baut, der das Land, auf dem er entsteht, der Wüste und dem blinden Spiel der Naturkräfte entreißt und der Gewalt des Menschen unterwirft. In Palästina tun wir das, nur wir. Die Araber haben Palästina verwahrlosen lassen. Mit ihnen hat die Wüste das Land beherrscht. Wir kommen erst und vertreiben die Wüste und bauen das Land

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