Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 188)
- Language
- German, English, Hebrew
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Grünbaum ruhe bei den Revisionisten). Wir beachteten das zu jener Zeit nicht, aber Konstitutionen und Staatsakte haben verschiedene Aspekte, sind das Ergebnis von Kompromissen, und ihre weitere Entwicklung geht nicht nach einem einzigen Prinzip vor sich, sondern bald nach diesem, bald nach jenem, nach dem guten und dem schlechten. Und so begann man seit zehn Jahren diesen zweiten Teil der Balfour-Deklaration zu entwickeln. Es scheint manchmal, daß man mit uns das machen wollte, was mit Shylock geschah. Wie kann man ein Land aufbauen ohne jegliche Verdrängung oder Verschiebung der lokalen, kulturell rückständigen Bevölkerung? Aber auf jener Einschränkung basiert nicht nur die Balfour-Deklaration, sondern fast alle Paragraphen des Mandates, die von unseren Rechten sprechen, das ist die ganze Einstellung der englischen Politik, und wenn man von diesem Standpunkt aus MacDonalds Brief kritisiert, kritisiert man alles, was wir nach dem Krieg bekommen haben. Weizmann hat nach der Veröffentlichung des MacDonald-Briefes gesagt, daß noch einmal die Basis für eine Kooperation geschaffen sei. Und das wird als schweres Verbrechen hingestellt. Weizmanns Brief ist ein persönlicher Brief (Unruhe hei den Revisionisten). Weizmann hat dasselbe Recht, schlechte Briefe zu schreiben, wie Sie das Recht haben, schlechte Artikel zu veröffentlichen {Heiterkeit). Niemand ist verpflichtet, einen persönlichen Brief zu decken. Der Kongreß wird sein Wort sagen. Und was heißt Kooperation mit der Regierung? Die Inder verweigerten die Kooperation, aber wenn sie nicht sagen, was sie wollen, wie soll es dann die Regierung tun? Sollen wir keine Forderungen an die englische Regierung stellen? Wir sollen keine Beziehungen zu ihr unterhalten, solange sie nicht ihre Einstellung ändert? Ich kenne Zustände, wo man mit der Regierung kooperieren muß, obwohl man sie aufs schärfste bekämpft. Wir haben keine andere Wahl. Aber damit wieder Vertrauen gegenüber England geschaffen wird, muß sich vorher vieles in der Politik und in dem Verhalten Englands ändern. Man sagt, das Vertrauen des jüdischen Volkes gegenüber England sei jetzt erschüttert worden. Nein, das stimmt nicht. Dieses Vertrauen ist vielleicht vor zwei, vor fünf, vor sieben Jahren erschüttert worden. Jetzt ist Vertrauen lange nicht mehr vorhanden. Als bester Beweis dafür kann die Tatsache dienen, die Ussischkin in seinem Referat über den Keren Kajemeth erwähnt hat. Er erwähnte die Aktion zu Ehren Balfours, dieses Mannes, der seinen Namen mit unserer Erlösung verbunden hat, für den so viel Enthusiasmus unter den Juden herrschte. Aber nach 1929, nach all den Ereignissen, die im letzten Jahre vor sich gegangen sind, konnte man die Juden nicht dazu bewegen, daß sie den Namen von Balfour ehrten. Die Juden wollten andeuten, daß es sich hier nicht um Balfour handelt, sondern um Vertrauen gegenüber England. Und dieses Vertrauen ist verloren gegangen. Ich gehe nun zu einer anderen Frage über, die schon mit der Dynamik unserer Bewegung zu tun hat. Ich will über das Endziel sprechen. In dem politischen Testament von Prof. Weizmann kommt ein Moment vor, worauf wir näher eingehen müßten. Er proklamierte ein neues aktuelles Kampfziel, die Parität mit der arabischen Bevölkerung in Palästina. Wenn 20 Prozent der Bevölkerung eines Landes sagen, daß sie als Gesamtheit mit 80 Prozent der Bevölkerung gleichgestellt werden müssen, so ist das eine große Sache (Zischen hei den Revisionisten). Das ist eine sehr weitgehende Forderung. Eine solche Forderung kann nicht auf Grund des gegenwärtigen Zustandes begründet werden, sondern