Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 187)
- Language
- German, English, Hebrew
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184 6. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte Weise — wieder zur Macht käme, indem er seine feierlichen Erklärungn bricht, so wäre das nicht der Weizmann von vor 1929, sondern er müßte ein anderer Weizmann sein. Es ist nicht richtig und wäre auch nicht so niederschmetternd, wenn man sagt, das System Weizmann habe bankrottiert und sei zusammengebrochen. Das ist nicht so schrecklich. Einen Bankrott kann man regulieren (Heiterkeit). Aber schrecklich ist es, wenn man ein Stück Geschichte wird mit dem politischen System, das man durchgeführt hat. Das ist der Tod. Und das politische System Weizmanns ist gestorben, im Jahre 1929 gestorben. Das politische System Weizmanns hat Weizmann selbst in seinem Testament am besten charakterisiert. Es ist nicht die Frage des Minimalismus und auch nicht die Frage der Formulierung des Endzieles. Ich wundere mich, daß Jabotinsky, der uns ein ganzes historisches Kolleg gehalten hat, nicht auch erwähnt hat, daß Weizmann einmal die beste Formulierung unseres zionistischen Endzieles prägte: „Palästina soll so jüdisch sein, wie England englisch ist". Als sich Weizmann überzeugt hatte, wie die Lage war, und analysierend seine Aufgaben überblickte, sagte er sich: Um die Möglichkeit konkreter Aufbauarbeit, um das Sprungbrett zu schaffen für eine künftige große Tat, muß man um jeden Preis Konflikte mit der Mandatarmacht vermeiden, nicht fordern, nicht reizen, nur eines hüten — daß man bauen kann, bauen, bauen. Das war das System Weizmanns und dafür hat er Opfer gebracht, dafür ist er den Weg gegangen, den wir mit Recht, Minimalismus nennen. Möglicherweise war dies damals, als wir kaum 55.000 Juden in Palästina hatten, die richtige Methode, aber bald war die Grenze, die diese Methode von einer vollständigen Verzichtpolitik trennt, überschritten, und in den blutigen Augusttagen des Jahres 1929 wurde diesem System ein Ende gemacht, weil sich die Angriffslinie unserer Feinde geändert hatte. Früher hatten die Feinde geglaubt, es genüge, unsere politischen Rechte einschränkend auszulegen. Aber die Störungen waren doch nicht so wirksam, um unsere Arbeit zu verhindern. Sie verlangsamten nur das Tempo. So sagten sich unsere Feinde, als sie nach zehn Jahren die Resultate unserer Arbeit sahen, daß politisch-rechtliche Störungen nicht genügten. Und deshalb ging der Angriff auf eine andere Linie über. Man suchte uns Hindernisse zu stellen, die die weitere Arbeit unmöglich machen sollten. Als es so weit kam, war die Politik Weizmanns nicht mehr möglich. Der Kampf wird uns aufgezwungen, und wenn wir keine neuen rechtlichen Bedingungen schaffen, werden wir weiter nicht arbeiten können oder noch weniger, noch langsamer und in noch kleinerem Maße als bisher. So kam es zum Tod von Weizmanns System, und Tote kann man nicht zum Leben zurückbringen. Im letzten Jahr ist Weizmann, wenn auch im Zickzack und zaghaft, den neuen Weg gegangen. Er führte einen Kampf gegen die Mandatarmacht, und in •diesem Kampfe sind gewisse Erfolge zu verzeichnen. MacDonalds Brief verstanden wir alle, als einen Anfang und wir sagten in einer Resolution des Aktionskomitees: Bleibt der Brief allein, so hat er nur minimalen Wert. Folgen ihm andere Erklärungen und neue Taten in Erez Israel, hat er großen Wert. Vorläufig ist er noch nicht einmal ein Anfang, vorläufig wird sein Inhalt von der Administration sabotiert. Und deshalb ist es Gerede, wenn man MacDonalds Brief analysiert und dabei hauptsächlich jene Momente kritisiert, die doch schon in der Balfour-Deklaration enthalten sind. In der Balfour-Deklaration ist doch gesagt, daß unsere Arbeit den Arabern keinen Schaden bringen soll (Un-