Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 186)
- Language
- German, English, Hebrew
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Eder, Grünbaum 183 Die Rede Dr. Weizmanns war keine Programm-Rede. Sie war das politische Testament eines Menschen, der seinen hohen Posten verläßt, nachdem er seinen Namen einer ganzen Periode der zionistischen Bewegung aufgedrückt hat. Wir müssen nun erwägen, was von diesem politischen Testament uns als Anweisung für die zukünftige Arbeit dienen kann und was wir entschieden als etwas Überlebtes, als Sache der Vergangenheit ablehnen müssen, zu der es keinen Rückweg gibt. Von dem politischen Testament Dr. Weizmanns muß seine sozialökonomische Einstellung bleiben (Beifall), der Standpunkt, daß in der jetzigen Periode der Aufbauarbeit in Palästina die Chaluziuth die bauende und bewegende Kraft ist und bleiben muß. Und dann muß von seinem Testament die Erkenntnis bleiben, daß die Arbeit das Fundament des Gemeinwesens sein muß, das wir in Palästina schaffen wollen. Auf dieser Grundlage soll die Struktur eines Diasporavolkes in die eines Volkes umgewandelt werden, das ein Land in Besitz genommen und sich dort verwurzelt hat. Man kann sich nicht in einem Lande bloß durch Macht, durch hohe souveräne Macht, auch nicht durch eine Mehrheit allein verwurzeln. Man verwurzelt sich in einem Lande auf ewig, wenn beim Ackerpflug und bei der Maschine die A4enschen des betreffenden Volkes stehen (Lebhafter Beifall). Von dieser sozialkolonisatorischen Einstellung muß der Grundsatz bleiben, daß die Privatinitiative und auch die Kolonisation des Mittelstandes nur dann kommen kann, wenn der Weg schon mehr oder weniger gebahnt ist. Es ist eine Illusion, daß man mit der Privatinitiative und dem Privatkapital ein jüdisches Erez Israel schneller hätte bauen können. Jetzt erst haben wir die Vorbedingungen für eine gewisse Mittelstandskolonisation und wir können an sie herantreten, jetzt erst entstehen die Vorbedingungen einer schöpferischen Arbeit des Privatkapitals. Auch das soll von Weizmanns politischem Testament bleiben: Wenn man ein Land zu kolonisieren und die Situation eines Galuthvolkes, eines Wandervolkes umzuformen beginnt, eines Volkes, das seßhaft gemacht werden soll, dann muß man sich auf die Arbeit und auf den Arbeits-Menschen konzentrieren (Zwischenruf: Wer ist der Arbeitsmensch?). Der Arbeitsmensch ist der, welcher arbeitet, und nicht der, welcher über die Arbeit redet. Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, daß man meint, dieses sozialkolonisatorische System sei eng verbunden mit dem politischen System Weizmanns. Ich habe den Eindruck, daß unter den Gesinnungsgenossen, die links sitzen, viele sich vorstellen, wenn das politische System falle, werde auch das sozialökonomische System fallen. Der Schlüssel dieses Problems liegt in der Hand des linken Flügels, indem er einfür allemal sagt, daß das politische System Weizmanns vielleicht eine Notwendigkeit in jener Epoche war, die in dem Jahre 1929 zu Ende ging — ich bin nicht dieser Meinung und deshalb haben meine Freunde und ich das politische System Weizmanns während der ganzen Dauer der letzten sieben bis acht Jahre bekämpft —, daß es aber jetzt überlebt ist. Die Gesinnungsgenossen von links stellen sich vor, wenn das politische System Weizmanns fällt, müsse die Leitung an die Personen übergehen, welche die Änderung dieses politischen Systems mit einer Änderung des ökonomischsozialen Systems verbinden. Das ist nicht notwendig, und es liegt an den Gesinnungsgenossen links, es auch praktisch zu verhindern. Ich wiederhole: Das politische System Weizmanns ist überlebt. Es ist eine Sache der Geschichte. Die Ereignisse von 1929 haben ihm ein Ende gesetzt, und es gibt keine Wiederkehr. Sogar wenn Weizmann — ich weiß nicht, auf welche