Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 185)
- Language
- German, English, Hebrew
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182 6. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte daß sie unter keinen Umständen einen solchen Rat akzeptieren würde, wenn er nicht das Ergebnis von Verhandlungen zwischen Juden und Arabern wäre. Und nun zu den Änderungen in der Bezeichnung des zionistischen Ideals* Das Basler Programm wurde in die Balfour-Deklaration und das Mandat aufgenommen. Irgendein Versuch, dem Mandat eine neue Interpretation zu geben,, würde nicht nur die Balfour-Deklaration, sondern auch das Mandat gefährden. Es ist leicht, Änderungen vorzuschlagen, aber erinnern Sie sich, daß es noch andere Leute gibt, die eine Änderung des Mandates wünschen: ein Teil der öffentlichen Meinung Englands und die Araber. Es gibt z. B. einen Artikel 22. der Völkerbundsatzung, dessen Interpretation etwas bedenklich ist. Sie dürfen auch nicht vergessen, daß wir heute nicht mehr in der Periode 1918 bis 1922. leben. Man muß sorgfältige Überlegungen anstellen, bevor man das Mandat antasten will. Im vorigen Jahre haben Sir John Simon und Mr. Hailsham angeregt, daß gewisse Artikel dem Haager Gerichtshof unterbreitet werden sollen. Wir waren deswegen sehr beunruhigt. Der MacDonald-Brief ist gewiß nicht zufriedenstellend, aber er ist eine Basis für neue Kooperation. Man darf doch nicht vergessen, was für ein Zustand vorher vorlag, ein Zustand bewaffneter Neutralität, in der sich Zionistische Organisation und Regierung gegenüberstanden. Es gab keine Einwanderung, es geschah nichts. Nach dem Brief aber war die Möglichkeit von Verhandlungen mit der Regierung gegeben. Wenn Sie meinen, man hätte besser getan, diesen Brief nicht zu akzeptieren und auf eine neue Regierung zu warten, so hätten Sie damit einen großen Fehler begangen. Die Rede von Weizmann war nicht die eines Journalisten oder Politikers,, sie war die Rede eines Staatsmannes, der Ihnen keine Illusionen vormachen will, der mit den Realitäten rechnet. Und was die Haltung Englands gegenüber dem Zionismus betrifft, so sage ich Ihnen: würde man heute eine Abstimmung unter den Massen Englands vornehmen, sie würden gegen uns ausfallen, ebenso wie eine Abstimmung unter der Intelligenz für uns ausfallen würde. Deshalb müssen wir weiter die Unterstützung der aufgeklärten Kreise Englands suchen und uns in Worten und Taten sehr davon hüten, nicht auch diese Sympathien zu verlieren (Beifall). JIZCHAK GRÜNBAUM (Radikal, A.C. — spricht jüdisch): Die Resignation von Dr. Weizmann, die ich ernst nehme, da ich an seine Worte fest glaube und denke, daß feierliche Erklärungen des Präsidenten einer Bewegung, die wiederholt gemacht wurden, nicht als ein Manöver betrachtet werden dürfen,, diese Resignation erspart uns diesmal einen sehr unangenehmen Kampf, den wir schon auf mehreren Kongressen geführt haben. Wenn wir diesen Kampf auf dem jetzigen Kongreß zu führen hätten, so hätte er viel schärfere Formen angenommen. Ich glaube daher, daß Weizmann dadurch, daß er vorher erklärt hat, daß er resigniert, etwas Großes geleistet hat. Wir können jetzt in aller Ruhe die Frage des Systems der weiteren Arbeit behandeln und in aller Ruhe erwägen,, welche Leitung von dem Kongreß gewählt werden soll und wie unsere Organisation und unsere Arbeit in der Zukunft geführt werden soll. Diejenigen, die glauben, daß alle Erklärungen Dr. Weizmanns nichts, als ein Manöver sind, beleidigen ihn und schaden dem Kongreß und der ganzen Bewegung und schaffen bei uns ein Chaos, aus dem wir nicht so leicht herauskommen können.