Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 183)
- Language
- German, English, Hebrew
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i8o 6. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte ten und ungeheurem Idealismus, das zweitausend Jahre lang wandert und sein altes Heim sucht. Wirf uns nicht Steine in den Weg und lasse uns das Land aufbauen. Zwinge uns nicht den Streit mit Dir auf; wir wollen ihn nicht. Wenn Du uns aber diesen Streit doch aufdrängst, dann, großes englisches Volk, vergiß* nicht — Du bist ein bibelkundiges Volk, vergiß nicht die Erzählung vom Kampf des mächtigen Philisters Goliath mit dem kleinen Juden David. Noch etwas möchte ich Ihnen erzählen, was ich vor einigen Jahren dem Gouverneur von Jerusalem, Storrs, erzählt habe. Ich war bei ihm in seinem Hause und sagte ihm: An diesem Ort, wo jetzt Ihr Haus steht, war im Jahre 1898 ein leerer Platz und auf diesem Platz standen die Zelte Kaiser Wilhelms II. Zu ihm kam ein Vertreter des kleinen armen jüdischen Volkes, Theodor Herzl,, mit seinen Kameraden, von denen einer noch in diesem Saale ist, Bodenheimer. Und Herzl sprach zu dem Mächtigen der Welt: „Hilf uns, unser Land wiederzugewinnen." Wilhelm aber antwortete: Nein. Und heute, zwanzig Jahre nach dieser Geschichte, ist Wilhelm II. als Lebendiger tot und Theodor Herzl als Toter lebendig. Man weiß nicht, wie das Leben, wie die Geschichte sich entwickelt. Und wir brauchen jetzt keine Beschlüsse und keine Paragraphen für die- Zukunft, wir sagen nur, was wir jetzt tun. Und da verlasse ich Herzl und wende mich an Sie. Erez Israel werden wir bauen, ob die Engländer wollen oder nicht; ob die Araber wollen oder nicht; ob leicht oder schwer, wir werden das Land bauen (Beifall). Je leichter politisch, umso besser. Je schwerer, desto mehr Kräfte werden wir brauchen. Aber bauen werden wir. Wir können nicht sitzen und warten (zu den Revisionisten), wie Sie es wollen. Und darum kann ich mit Ihnen nicht gehen. Diesen großen Irrtum des Wartens hat Herzl auch gemacht. Die kleinen Herzl sollten es nicht tun. Sie wissen, in Metulah, der kleinen Kolonie, hat man die Nordgrenze zu unseren Gunsten gezogen. Hätten wir in Transjordanien nur zwei oder drei Kolonien gegründet, gäbe es heute keine transjordanische Frage (Lebhafter Beifall). Taten und Arbeit, das ist die Basis unserer Politik. Und wenn die Arbeiterschaft die schwerste Bürde auf sich genommen hat, unter allen Bedingungen die praktische Arbeit im Lande fortzusetzen, so sage ich ihr im Namen des Judentums unseren großen Dank (Lebhafter Beifall). Es muß bei diesem Kongreß die Synthese geschaffen werden zwischen der politischen und praktischen Arbeit. Jeder Einzelne darf das Primat einer von beiden geben. Aber für den ganzen Kongreß und für die zukünftige Leitung sind es gleichberechtigte Arbeiten. Wir durchleben eine ungeheuer schwere Zeit. Wir haben in den letzten Jahren unsere Kräfte zu neunzig Prozent in innerem Streit vergeudet. Ich appelliere an Sie, als einer der ältesten hier, der die Bewegung vom ersten Moment der Chibbath Zion bis zum heutigen Tage erlebt hat: Brüder! Sie kennen mich viele,, viele Jahre. Das Epitethon des „Rodef Schalom" paßt mir nicht. Es gibt Fragen, in denen man nie zusammengehen kann, die uns für ewig trennen, das war Uganda, das ist unser Endziel, hebräische Sprache, jüdische Arbeit. Aber wegen Fragen, über die man sich verständigen kann, uns zu zerfleischen, ist ein historisches Verbrechen. Nehmen Sie die Anschauung an, wie ich Sie in der Versammlung der Allgemeinen Zionisten in Tel Aviv formuliert habe. Dort sagte ich: Das Programm ist eine kurze Vereinigung von zwei Maxima, dem Maximum politischer und dem Maximum praktischer Arbeit. Und von diesem Kongreß, der unsere Leitung schafft, der die Formen unserer weiteren Arbeit schafft, sollen