Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 181)
- Language
- German, English, Hebrew
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i78 6. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte Junge war, vor vielen Jahren, glaubten, so naiv glaube ich an die Ehrlichkeit der Welt, an die Macht der gerechten Sache; glaube, daß große Probleme durch den Machtfaktor des moralischen Drucks entschieden werden und daß das jüdische Volk ein gewaltiger Faktor moralischen Druckes ist. Nehmen Sie das an oder nicht — es ist mein und unser Glaubensbekenntnis: „ani maamincc (Stürmischer, sich immer wieder erneuernder Beifall). MENACHEM M. USSISCHKIN (Allg., Erez Israel, mit stürmischem Beifall empfangen — spricht jüdisch): Ich habe den Mut, in dieser Atmosphäre zu sprechen und nach dieser großen, langen, begeisterten Rede Ihre Aufmerksamkeit zu fordern. Ich bin sehr zufrieden, daß ich nach den zwei großen Reden das Wort erhalte, die wir heute von den Vertretern der beiden am meisten begeisterten und disziplinierten Parteien, von Ben Gurion und Jabotinsky, gehört haben. Diese beiden Reden und die gestrige von Dr. Weizmann enthalten dasjenige, worüber wir, worüber der Kongreß entscheiden soll. Die Rede Weizmanns bezog sich auf ein bestimmtes Endziel und auf bestimmte Methoden. Ben Gurion sprach nichts vom Endziel, sondern nur über die Methoden, die dritte Rede sprach durchaus nur über das Endziel. Ich war immer und bin auch jetzt ein großer Gegner jeder papierenen Definition unseres Endzieles (Beifall). Ich war es vor 34 Jahren gegenüber der Definition des Basler Programms, ich bin ein Gegner der Definition, die Weizmann gestern gab, ich bin ein Gegner der Definition Jabotinskys. Warum? Weil alle Definitionen, wie immer sie auch formuliert werden, mein Ideal begrenzen. Es ist viel größer, viel breiter, viel höher (Beifall). Es gibt eine Frage der Methoden, es gibt eine Frage der Formen der Arbeit, aber das große Ideal, nach dem das ganze Judentum seit Tausenden von Jahren strebt, das sollen Sie nicht in tote Formeln pressen. Wozu brauchen wir neue Formeln, wenn wir die ewige Formel haben: „Chaddesch jomenu kekedem — erneue unsere Tage wie vor alters/' Das ist unsere Formel und wir brauchen nichts anderes. Jabotinsky meint, daß wir, wenn wir eine Mehrheit zu beiden Seiten des Jordan haben, sicher und geschützt sind. Er hat hier sehr interessante Geschichten aus Griechenland, Estland und Lettland erzählt. Ich werde ihm eine jüdische Geschichte erzählen: Es war eine Zeit, da wir nicht nur die Mehrheit in unserem Lande waren, sondern die Gesamtheit, und man hat uns vertrieben (Unruhe). Es gibt keine Garantien in der Welt gegen Elementarkatastrophen — nur eines gibt es in der Welt, das ist Volkswille und Volksglaube. Das haben wir und das brauchen wir. Das habe ich gegen Ihre Definition, Herr Jabotinsky, zu sagen, und jetzt wende ich mich an Weizmann — er ist nicht da — und spreche über seine gestrige Definition. Wenn ich von dem Kongreß fordere, er solle keine Definition festsetzen, haben wir umsomehr das Recht, von dem Mann, der seit dreizehn Jahren an der Spitze unserer Bewegung steht, zu erwarten, daß er keine Definitionen vorbringen wird, die uns unsere Hoffnung wegnehmen und unsere ganze Arbeit zerstören (Beifall). Dr. Weizmann sprach gestern über die Methoden der Chibbath Zion und über Lilienblums „Ziege". Mir ist Chibbath Zion ebenso heilig wie die zionistische Bewegung. Aber Lilienblum hat sich in seinem Werk „Die Auferstehung des jüdischen Volkes" klar und deutlich zu unserm Endziel bekannt. Darum durfte er auch über die Ziege sprechen. Sie, Weizmann, haben ein ewiges Wort verkündet: Wir wollen, daß Erez Israel so jüdisch sein soll wie England englisch