Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 174)
- Language
- German, English, Hebrew
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Jabotinsky len, andere Werte und sagt, diese verteidigen sich selbst, diese würden ewig wachsen, eine Mehrheit sei nicht nötig. Es wäre schön, wenn die Welt so wäre; aber die Welt ist nicht so. Es gab und es gibt größere und stärkere Völker als wir, die in verschiedenen Ländern größere Kulturwerte schufen, aber keine Mehrheit. In den baltischen Provinzen wirkte 400 Jahre ein Volk von gewaltigen kulturträgerischen Fähigkeiten, die Deutschen. Sie waren grausame Herrscher, aber Kulturträger. Kein estischer oder lettischer Patriot wird in Abrede stellen, daß vieles, was sein Volk unter den umgebenden Völkern auszeichnet, was ihn zum Europäer macht, dem deutschen Kulturmeister zu verdanken sei. Der Deutsche hat dort die progressive Landwirtschaft eingeführt, war der Organisator, der Magistrat, der Lehrer, der Pfarrer, ein Deutscher schrieb das erste Wörterbuch der lettischen Sprache, ein Deutscher sammelte die estischen Nationallieder. Alles hat er dort getan, aber eines unterlassen: Keine numerische Mehrheit. Und Sie sehen das Ergebnis. (Zwischenruf GRÜNBAUM: Keine Bauern und Arbeiter!) Das ist nicht ganz wahr, aber wir werden auch zu Bauern und Arbeitern kommen. Es gab ein anderes Volk, die Griechen. 4000 Jahre waren sie die einzigen Kulturträger an der anatolischen Küste des Schwarzen und Ägäischen Meeres. Alles, was Kultur heißt, war griechisch. Auch die Bauern und Arbeiter waren Griechen. Jeder Stadtname ist griechisch, in jeder Fabrik, in jedem Hafen sah man griechische Arbeiter. Da kam vor 500 Jahren ein anderes Volk, ohne Kultur, ohne Fabriken, und hat eine Mehrheit geschaffen und die griechische Minderheit zu einer „Kaja" herabgedrückt; und hat schließlich 1923 alle Griechen aus dem Lande ausgewiesen. Leider ist es in der heutigen Welt nicht genug, Kulturwerte zu schaffen, diese bleiben nur permanent, wenn das kulturtragende Volk die Mehrheit im Lande bildet. Das bezieht sich sogar auf solche Fälle, wo sich zwei Rassen gegenüberstehen, die nicht sozusagen ebenbürtig in ihren kulturellen Fähigkeiten sind. In Südafrika stehen sich zwei verschiedene Rassen gegenüber, die Weißen, durch ihre reichsten und begabtesten Elemente vertreten, durch die Engländer und Holländer, die andere Rasse steht noch auf einer sehr unentwickelten Kulturstufe, und viele bezweifeln es, ob sie in der Zukunft fähig sein wird, eine ebenbürtige Kultur zu schaffen oder sich zu assimilieren. Aber man wird nicht in Abrede stellen, daß jeder Bure, jeder Brite und jeder Jude in diesem Lande mit tiefen Zweifeln dem Problem gegenübersteht, ob das Land ein Land der Weißen bleiben oder ein Land der Schwarzen sein wird. Kulturell ist das weiße Element überwiegend höher, aber die Zahl, 5 Millionen Schwarze gegenüber 1V2 bis 2 Millionen Weißen, steht der Zukunft im Wege. Ein Nationalheim ist ein Land, wo das betreffende Volk die Mehrheit bildet. Das ist nicht das letzte Ziel des Zionismus; eine Million Juden wäre heute genug, um in Palästina die Mehrheit zu bilden, das ist aber nicht die Grenze unseres Hoffens; wir wollen eine Heimstätte für alle leidenden Juden, und niemand kann voraussehen, wie viel leidende Juden es in den nächsten Generationen geben wird. Aber das unmittelbare Ziel der praktischen zionistischen Arbeit ist die Schaffung einer Mehrheit. Ich glaube, niemand bezweifelt hier, daß diejenigen, die an einen Judenstaat denken, sich ihn als einen Staat der vollständigen Gleichberechtigung vorstellen. Ich fürchte sogar, daß besonders die englischen Herren, die so darum besorgt sind, sich vielleicht den Begriff der Gleichberechtigung nicht in jenem