Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 173)
- Language
- German, English, Hebrew
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i/o 6. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte wohl keine angenehme, doch eine „erträgliche" ist? Ist es aber eine unerträgliche, so soll der Kongreß ausdrücklich sagen, daß das „Statement of policy" von 193c sowie der MacDonald-Brief keine Basis für Kooperation ist (Lebhafter Beifall). Ich komme jetzt zur Frage der Zielsetzung. Das Ziel des Zionismus wird meist durch drei verschiedene Bezeichnungen ausgedrückt: öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte — Nationalheim — Judenstaat. Wollen wir also jedem dieser Ausdrücke nachgehen! Daß der Ausdruck „öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte" nicht klar ist, ist klar. Dieses "Wort hat keine juridische Tradition, daher läßt es allerlei Interpretationen zu. Man hat diesen Ausdruck gerade deshalb aufgenommen, weil er so nebelhaft war und man hoffen konnte, daß er den türkischen Sultan nicht irritieren werde. Der Ausdruck „Nationalheim" ist auch unklar. Das sehen wir daraus, daß so viele Streitigkeiten darüber entstehen, was er bedeutet. Auch er hat keine Tradition. Am klarsten ist noch der Ausdruck „Staat". Aber auch das "Wort Staat hat im Gebrauche der politischen Welt verschiedene Bedeutung. Es ist nie klar, ob man mit diesem Wort eine vollständige Unabhängigkeit bezeichnet oder nicht. Frankreich ist ein Staat im Sinne der vollen Unabhängigkeit. Aber Illinois oder Kentucky heißen auch „Staat" und sind doch nur ein Teil eines Staates. Auch für den Begriff der Mehrheit gibt das Wort Staat keine Antwort. Südafrika z. B. ist der Staat der Buren und Briten und doch bilden diese beiden nicht die Mehrheit der- Bevölkerung. Das Wort „Staat" ist klarer als die beiden anderen Bezeichnungen, aber doch ist es unsere Pflicht, den Begriff noch klarer zu machen und festzustellen,, welches die Merkmale sind, die für uns die Conditio sine qua non des Zionismus bedeuten. Und wir finden, daß der Kern des Begriffes „Judenstaat" in folgenden zwei Momenten liegt: 1. Ethnische Mehrheit des jüdischen Elementes in der Bevölkerung des Landes und 2. Selbstregierung. Dieses zweite Element ist sehr elastisch. Hätten wir heute ein jüdisches Land mit überwiegend jüdischer Bevölkerung und stünde dieses Land unter einer fremden Macht, so würden wir wohl gegen diese Macht kämpfen, aber der Zionismus würde nicht existieren, weil sich die Juden dieses Landes in einer Lage befinden würden, in der heute viele normale Völker leben, welche schon in ihrem Lande sind. Es ist auch möglich, sich vorzustellen, daß in Zukunft das Maß der Souveränität, sogar eines unabhängigen Staates, viel enger gezogen sein wird, als dies heute der Fall ist. Dafür hat man doch eine gewisse Institution in Genf geschaffen, damit die Souveränität der Staaten nicht allzuweit gehe, damit die Comitas gentium eine gewisse Möglichkeit habe, auch in die inneren Angelegenheiten der souveränen Staaten sich einzumengen. Dieses Moment der Selbstregierung, der Souveränität ist ein elastisches Moment. Wenn es einmal ein jüdisches Palästina geben wird, wird sich dieses Palästina selbst regieren; aber wir wissen nicht, ob es alleinstehen oder Mitglied eines größeren Staatengebildes sein wird, vielleicht eines Gebildes, wie sich die Engländer eine „British League of Nations" vorstellen. Ein Moment ist aber unelastisch; es ist oder es ist nicht; und das ist die numerische Mehrheit. Das Land wird zum Judenland in dem Moment, wo es eine jüdische Mehrheit hat. Ich weiß, daß es bei uns viele gibt, die glauben, daß man auch ohne Mehrheit eine Nationalität entwickeln und permanent sichern kann, wenn man in diesem Lande ökonomische und kulturelle Werte geschaffen hat. Man zitiert dabei unsere Kolonien, unser Tel Aviv, unsere hebräische Sprache, unsere Schu-