Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 170)
- Language
- German, English, Hebrew
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Jabotinsky i*7 gelassen werden." Ich erinnere mich an einen Fall im Jahre 1919, wo ich im Namen der Zionistischen Palästina-Exekutive Verhandlungen mit dem Finanzamt in Jerusalem führen mußte, um die Erlaubnis zu erlangen, Maschinen für eine kleine Seifenfabrik einzuführen. Dabei wurde mir gesagt: „Aber vergessen Sie nicht, daß es eine blühende arabische Seifenindustrie im Gebiete von Nablus gibt! Sollten die Juden auch eine Seifenfabrik schaffen, die wahrscheinlich billiger und besser produzieren wird, was wird dann aus der arabischen Seifenindustrie werden?" Der oben zitierte Satz des MacDonald-Brief es war damals noch nicht geschrieben, aber eine solche Interpretation dieses Satzes hängt doch in Palästina in der Luft. Obwohl wir den Besitzstand der Araber nicht direkt schädigen, weil wir aber doch besser arbeiten, sagt man, daß unser Fortschritt eine gewisse „Rückwirkung" auf die nicht so fortschrittlichen Elemente des Landes hat. Dieses landesübliche „Argument" gegen den Zionismus ist jetzt im MacDonald-Brief als offizielle Anschauung festgelegt worden. Im MacDonald-Brief wurde die Drohung des Weißbuches wiederholt, den Landkauf zu „kontrollieren", nicht mehr bloß als eine Anregung, eine Idee, sondern als ein Beschluß; und der Beschluß ist, wie Sie wissen, durch gesetzgeberische Tatsachen verwirklicht worden. Es steht weiter im MacDonald-Brief, daß die bestehende Regulierung der jüdischen Immigration auch künftighin „properly" (tüchtig) angewendet werden muß. Worin die „Tüchtigkeit" besteht, brauche ich nicht zu illustrieren, aber ich möchte doch den Fall des jetzt schon berühmten Immigranten-Knaben erwähnen, der behördlich verprügelt wurde, weil die Immigrationsregelung „properly" angewendet werden sollte. Weiter heißt es im MacDonald-Brief: „Das Prinzip der vorzugsweisen oder gar ausschließlichen Anstellung jüdischer Arbeiter bei jüdischen Organisationen ist ein Prinzip, das die Jewish Agency das Recht zu bejahen hat. Sollten aber dadurch arabische Arbeiter eliminiert werden oder sollte dadurch die allgemeine Arbeitslosigkeit im Lande erhöht werden, so wäre das ein Faktor, welchen die Mandatarmacht in Betracht ziehen muß" Als Illustration dazu liegt mir ein frischer Brief aus Palästina vor. Einer der Herren, mit denen ich in Verbindung stehe, erhielt zu der Afuleh- und Kadoorie-Frage folgende Erklärung von einem ziemlich wichtigen und gut informierten englischen Beamten. Dieser berief sich nicht auf das Weißbuch, sondern auf den MacDonald-Brief. Er sagte: „In diesem Briefe wurde ja festgestellt, daß Sie selbstverständlich frei sind, in Ihren Anstalten jüdische Arbeiter zu verwenden; aber wenn die Regierung zur Uberzeugung kommt, daß dadurch die Unmöglichkeit entsteht, die Arbeitslosigkeit unter den Arabern zu lindern, so hat sie das Recht, das Prinzip zu übersehen, das bei den Öffentlichen Arbeiten auch Juden angestellt werden sollen." Wenn es zu öffentlichen Auseinandersetzungen kommen wird, so werden Sie überhaupt sehen, daß die sehr gescheiten Verteidiger der Palästina-Verwaltung sich nicht auf das Weißbuch berufen werden, sondern gerade auf den MacDonald-Brief — und jeder Jurist wird sagen müssen, daß die Berufung Hand und Fuß hat. Aber das Schlimmste in diesem MacDonald-Brief ist ein Satz, der dem arabischen Volk das Vetorecht gibt gegen jeden Schritt, der in Ausführung des Mandates von der Regierung unternommen werden könnte. Dieser Satz lautet: „Die Mandatarmacht darf nicht übersehen, daß in Palästina doch verschiedene Interessen und Standpunkte existieren. Diese kann man nur vereinbaren, wenn man