Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 166)
- Language
- German, English, Hebrew
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Ben Gurion, i6j Damit unterscheiden wir uns von den beiden Richtungen, die wir für falsch lialten: Die eine Richtung, die die politischen Rechte und Forderungen unserer arabischen Nachbarn geringschätzt, und die zweite Richtung, die den Rechten des jüdischen Volkes in der Welt absagt und nur die Einwohner Palästinas sieht, wie sie heute sind, und ihnen die volle Herrschaft über das Land übergeben will. Wir werden in Erez Israel nicht zu Schutzjuden werden, aber auch nicht zu einer herrschenden Rasse. Ein freies Volk bestimmt sich selbst und respektiert die Rechte seiner Nachbarn. Das ist unser politisches Streben, und so wird das konstitutionelle Problem Palästinas gelöst werden. Geehrter Kongreß! Wir stehen vor schweren äußeren und inneren Schwierigkeiten. Wir sehen den Ausweg nicht, wie einige, in der starken Hand der Mandatarmacht und nicht in einer lügnerischen Demokratie, wie die andern es wollen. Unsere wahre Stütze ist nicht das britische Mandat, obzwar wir seine Bedeutung anerkennen, trotz all seiner Fehler und nach all den Enttäuschungen, die es uns in den letzten zehn Jahren brachte. Wir werden alle Bestrebungen bekämpfen, die die uns aus dem Mandat zustehenden Rechte verkleinern wollen. Unsere wahre Rettung liegt auch nicht bei den Arabern. Der archimedische Punkt, auf den wir uns stützen, um das Schicksal des jüdischen Volkes vom Galuth nach Erez Israel zu übertragen, liegt nicht außerhalb von uns, sondern in uns, im jüdischen Volk selbst. Nur die konstante Anstrengung des jüdischen Volkes in Palästina, unsere Stellung im Lande zu erweitern und zu festigen, in Stadt und Land, mit nationalem und privatem Kapital, mit Chaluz- und Masseneinwanderung, mit Entwicklung von Landwirtschaft und Industrie — nur auf dieser zentralen Achse ruht unsere Bewegung. Und die Entscheidung, vor der dieser Kongreß in den Wahlen, in der Budgetbestimmung und in der politischen Beschlußfassung steht, ist die Wahl zwischen der Auffassung, die den Schwerpunkt in uns selbst sieht, und jener Auffassung, die ihn außerhalb von uns glaubt, sei es in der Mandatarmacht, sei es bei unseren arabischen Nachbarn. Trotz all den Schwierigkeiten der letzten zehn Jahre haben wir in Palästina große Fortschritte gemacht. Wir schufen blühende Landschaft im Emek Jesreel, im Jordan- und im Scharon-Tal. Wir bauten eine hebräische Stadt und eine junge sich entwickelnde Industrie. Wir begannen die Errichtung großer Werke am Jordan, des Rutenberg-Werkes und des Novomejski-Projektes am Toten Meer, wir bekamen einen wichtigen Schlüsselpunkt in der Haifa-Bucht in unsere Hand, der zusehends zum Tor nicht nur Palästinas, sondern des ganzen großen Hinterlandes vom Mittelländischen Meer bis zum Indischen Ozean wird. Noch weit ist der Weg und groß die Schwierigkeiten. Wir werden noch viele Anstrengungen machen und vielleicht auch viele Opfer bringen müssen. Die Erlösung eines Volkes und der Aufbau einer Heimat geschehen nicht über Nacht, sind nicht leicht zu erreicehn. Wir aber an der Front, die wir sehen, wie das Land auf unsere hartnäckigen Anstrengungen antwortet, wir glauben tief und sicher, daß hinter dem Palästinawerk das ganze jüdische Volk stehen und den Pionieren der Arbeit und •der Verwirklichung ständig seine volle Hilfe geben wird — wir glauben, daß •die Vision von der jüdischen Erlösung wahr werden und unsere Mühe nicht vergeblich sein wird (Lebhafter Beifall). Schluß der Sitzung ij Uhr 20 Min.