Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 162)
- Language
- German, English, Hebrew
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Ben Gurion 159 kaum wenige Jahre verstreichen und wir werden auch in Palästina zu dem werden, was wir in den anderen Ländern waren, zu Maklern fremder Kulturen und fremder "Wirtschaft. Schon jetzt gibt es in Palästina unter gewissen Gruppen der jüdischen Intelligenz Zeichen von englischer Assimilation, und wenn wir noch auf lange Zeit hinaus eine unbedeutende Minorität in Palästina bleiben, so werden wir auch eine arabische Assimilation erleben. Unsere ganze Arbeit im Lande hat nur dann einen Sinn, wenn wir dort im Grunde genommen unsere Lebensbedingungen und unser historisches Schicksal ändern und dort eine große jüdische Nation schaffen, die selbst ihre Kultur und ihr Leben schafft. Und als einer, der in Palästina eine nicht geringe Anzahl von Jahren gelebt und gearbeitet hat, muß ich Ihnen sagen, daß ich noch nie einen so starken und festen Glauben an die Möglichkeiten von Erez Israel zur Realisierung dieses großen Traumes der Errichtung einer jüdischen Nation in Palästina hatte, wie ich ihn jetzt nach 25 Jahren der Arbeit im Lande habe (Beifall). Wir haben mit eigenen Augen das große Wunder gesehen, das sich im Lande ereignet hat. Wir haben die großen Möglichkeiten gesehen, die in den Dünen, den Sümpfen und den Felsen des Landes verborgen sind. Wir haben auch die Kraft gesehen, die in dem jüdischen jungen Mann versteckt liegt, der nach Palästina kommt im Glänze der großen historischen Vision, voll brennender Lust, neues Leben für seine Nation zu schaffen. Wir haben im Emek, im Scharon, in Tel Aviv, auf dem Schutzposten, auf dem Felde und auf dem Gebiet des ökonomischen Schaffens und auch der Selbstorganisierung die Möglichkeiten des Juden in Palästina gesehen, der sich mittels der Arbeit und des Glaubens an den Boden klammert. Und wir glauben, daß €s noch weitere Möglichkeiten gibt, wenn nur der Wille, von dem bisher einzelne Leute beseelt waren, zum Willen von Zehntausenden und von großen Massen wird. Die Möglichkeiten für unsere Ansiedlung, auf die ich schon hingewiesen habe, sind nicht nur auf den westlichen Teil Palästinas beschränkt. Im östlichen Teil des Landes gibt es noch viel mehr freien Boden, und wir dürfen nicht zulassen, daß man den Jordan als Grenze unserer Einwanderung und Kolonisation erklärt. Ich verlange damit nicht eine Revision jener Punkte des Mandates, die Transjordanien einen besonderen Status zuerkennen. Seinerzeit protestierten wir gegen die Abtrennung Transjordaniens von den übrigen Teilen des Landes, und die britische Arbeiterpartei schloß sich unserem Proteste an. Wir müssen uns aber vor jedem Antrag auf Mandatsrevision hüten. Wir sehen in einem solchen Vorschlag Verantwortungslosigkeit und politische Gefahr. Eine Revision des Mandates wird, wenn überhaupt nicht durch uns geschehen — wer weiß, in welchem Sinn und zu wessen Gunsten. Aber auch ohne jegliche Änderung des Mandates dürfen wir das Recht auf Einwanderung und Niederlassung in Transjordanien verlangen. Die Sperrung Transjordaniens für uns widerspricht dem Mandat in seiner bestehenden Form. Unser Recht auf Ansiedlung in Transjordanien stimmt mit dem wirtschaftlichen Bedürfnis dieses fruchtbaren und größtenteilt unbesiedelten Gebietes nach Bevölkerung und neuen Wirtschaftskräften überein. Aber wenn wir auch die verborgenen Möglichkeiten Palästinas für eine Ansiedlung von Millionen neuer Einwanderer erkannten, vergaßen wir kein einziges Mal daran, daß Erez Israel nicht vollkommen leer ist. Zu beiden Seiten des Jordan lebt eine Million Araber, nicht erst seit heute oder gestern. Ihr Recht, in diesem Lande zu leben, sich zu entwickeln und sich national selbst zu bestimmen.