Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 157

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 157 (sequence 160)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476288--7965-3484114
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ben Gurion i57 feststellen zu müssen. Wir müssen aber unsere wirkliche Lage in der Welt, die Lage der jüdischen Nation unter den anderen Nationen, klar sehen. Auch jetzt, nach der Balfour-Deklaration und dem Mandat und nach dem Werke, das wir im Laufe von 50 Jahren in Palästina geschaffen haben und das auch großen Nationen zur Ehre gereichen würde, müssen wir noch vor den Nationen der Welt auftreten und um unser Recht streiten und unsere Taten erklären und beweisen, daß wir nicht hinkommen, um jemanden zu berauben oder landlos zu machen, daß wir hinkommen, unser eigenes Leben zu errichten, und daß wir hierauf ein Recht haben. Diejenigen, die glauben, daß wir, wenn wir einen wichtigen Fetzen Papier haben, der von der britischen Regierung und dem Völkerbund unterzeichnet ist, schon den Judenstaat zu beiden Seiten des Jordan in der Tasche haben und daß Sie nur den Führer, unseren Retter, zu wählen haben, damit alles in Ordnung ist, geben sich einer schweren Täuschung hin. Und noch etwas konnten wir aus den Ereignissen lernen, was für uns keine Überraschung war. Seit dem ersten Tage, an dem wir nach Palästina kamen, kennen wir das arabische Problem und die Gefahr, die unserer Arbeit im Lande und unserer Existenz dort droht. In der Erklärung und dem Verständnis des historischen und geographischen Hintergrundes, auf dem sich die Ereignisse der letzten zwei Jahre abgespielt haben, in dem Verständnis des Wesens der Ereignisse und des richtigen Ausweges besteht die scheidende Linie zwischen den Anhängern des „schweren" Zionismus und denen des „leichten". Ich glaube, daß eine der wichtigsten Fragen, die der Kongreß zu entscheiden haben wird, die Scheidung zwischen unserem „schweren" und viel fordernden Zionismus und dem „leichten" der anderen ist. Wir kennen die Bedeutung der politischen Errungenschaften, sie sind aber für uns nur dann von Wert, wenn man sie mit lebendigem Inhalt füllt. Dies wird man in Erwägung ziehen, auch wenn man sich Rechenschaft darüber gibt, was im Lande geleistet wurde, welche Mittel für die Arbeit gegeben und welche Resultate erzielt wurden. Auch hier wählen wir den schweren und langen Weg, der auch unpopulär ist. Ich habe gehört, wie die Anhänger des „leichten" Zionismus vor dem jüdischen Volk und den jüdischen Massen auftreten und ihnen sagen: „Ihr habt alles getan. Ihr habt in Palästina Großes geleistet. Ihr habt für Palästina alles gegeben, was Ihr geben konntet. Aber a) von außen die Mandatsregierung hat ihre Pflicht nicht erfüllt, und b), was das wichtigste ist, die Führerschaft hat euch verführt und euch in diese Lage gebracht." Wir dagegen sagen dem jüdischen Volke sehr unangenehme Dinge. Wir sagen dem jüdischen Volke: Nur wenige von euch, diejenigen, die ins Land gekommen sind, die Pioniere der Arbeit und die Pioniere des Kapitals, und die alles geleistet haben, was bisher in Palästina geschaffen wurde, und ohne welches Werk wir nicht sicher sind, ob die Ereignisse der letzten Jahre uns nicht ganz zugrunde gerichtet und die ganze zionistische Bewegung zerstört hätten, außer diesen wenigen, die nach Möglichkeit ihre Pflicht gegenüber dem Volke erfüllt haben, habt ihr, die große zionistische Bewegung, die Tausende von Zionisten und Zehntausende der jüdischen Masse, eure historische Pflicht nicht erfüllt und daher sind wir in diese Lage gelangt. Die 200.000 Juden von Berlin geben für die Bedürfnisse der lokalen Gemeinde eine größere Summe her, als das ganze jüdische Volk für seine historische Erlösung und die Erneuerung seiner Heimat in Erez Israel hergibt. Wir werden mit allen unseren Kräften gegen die Leute einen Kampf führen, die, vielleicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.