Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 155

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 155 (sequence 158)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3476254-3476288--7963-3484112
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ben Gurion idee, Schutz des arabischen Pächters vor unbeschränkter Ausbeutung, wurde es von uns seit Jahrzehnten befolgt. Und wir hätten es sehr begrüßt, wenn dieses Gesetz gekommen wäre, um den ausgebeuteten Pächter vor seinen wirklichen Ausbeutern zu schützen. Zu unserem Bedauern handelt es sich aber um ein Gesetz, das unter dem Vorwand des Schutzes der Pächter alle Möglichkeiten zum Bodenerwerb in Palästina der absoluten Willkür des High Commissioners preisgibt und das alle öden und unbearbeiteten Böden zu ewigem Brachliegen verurteilt, da es dieselben dem Weiderecht der Beduinen aus der Wüste vorbehält. Nach diesem Gesetz werden fruchtbares Land, Irrigationsböden, Orangen- und Gemüseböden, die bisher unbearbeitet blieben und die im Laufe von fünf Jahren während zwei bis drei Monaten durch Beduinen zur Weide benutzt wurden, für ewig brach bleiben müssen. Es wird der absoluten Willkür des High Commissioners — und diese Willkür haben wir in den letzten zwei Jahren zu spüren bekommen — freistehen, ob diese Böden fruchtbar gemacht werden oder nicht. Was können wir aus den Ereignissen der letzten zwei Jahre lernen, die mit der Provokation am Kotel Hamaarawi begonnen haben und sich durch die Augustereignisse usw. bis zum letzten Pächtergesetz hingezogen haben? Der „leichte" Zionismus unter uns hat eine ganz „einfache" Antwort auf all diese Ereignisse. Jeder jüdische Knabe in Polen kennt sie. Wir haben unter Pogromen gelitten — wer ist daran schuld? Die Shaw-Kommission hat uns verleumdet — wißt ihr, wer daran Schuld hat? Man hat die Immigration eingestellt, sich gegen unsere historischen Rechte auf die Immigration verschworen — wer hat es dazu gebracht? Der Führer ist daran schuld. Wenn ihr wollt, daß unser Leben im Lande sicher sei, daß die Araber ihren Mund nicht öffnen, daß die Böden in Palästina in unseren Besitz übergehen, ohne jede Zahlung, daß ein Judenstaat zu beiden Seiten des Jordan errichtet wird, so gibt es nichts leichteres, als dieses zu erreichen: wählet den neuen Führer. Am Tage der Kongreßwahlen wurde in Palästina ein Manifest veröffentlicht, unterzeichnet von zwei großen Ministern der Partei des „leichten" Zionismus, den Herren Jabotinsky und Grossmann, und das lautete: „Wenn ihr uns auf dem Kongreß eine Mehrheit verschafft, werden wir eine jüdische Mehrheit im Lande schaffen." Ich weiß nicht, ob diese Leute nach der Antwort, die sie von Palästina bekommen haben, ihrer Sache immer noch so sicher sind. Aber naive Jünglinge im fernen Polen und vielleicht auch in anderen Ländern nehmen diese Lehre, daß an den blutigen Ereignissen, an den politischen Unglücksfällen der Führer Schuld hat, gläubig hin. Ich will nicht mit dieser Ansicht diskutieren, ich will nur einige historische Bemerkungen machen. Die Augustunruhen von 1929 sind nicht die ersten in Palästina. Ich will nur über die Zeit nach dem Kriege sprechen. 1920 gab es Unruhen in Palästina, als viel englisches Militär und auch jüdische Legionen im Lande waren, denen auch ich die Ehre hatte anzugehören. Damals stand derselbe Führer an der Spitze der Bewegung. Nach diesen Unruhen war der neue Prätendent auf die Führerschaft, der uns eine Majorität in Palästina für eine Majorität auf dem Kongreß verspricht, in Palästina, und er hat nach dem Pogrom von 1920 nicht von der Schuld des Führers gesprochen, der die Pogrome verursachte, sondern er ist in die Zionistische Exekutive unter der Leitung von Dr. Weizmann eingetreten. Im Jahre 1921 sind wieder Unruhen entstanden, als der neue Prätendent sich in der Zionistischen Exekutive befand und als in Palästina ein jüdischer High Commissioner, Sir Herbert Samuel, regierte. Nach dem Pogrom

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.