Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 149)
- Language
- German, English, Hebrew
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146 $. Kongreß-Sitzung: Referat über Finanzierung des Palästinaaufbaus nationalen Fonds in den letzten beiden Jahren. Gleichgültig, ob man politischen oder wirtschaftlichen Faktoren dabei den Ausschlag zuschreibt, so ist doch die relative Gleichmäßigkeit der Eingänge der Fonds gewissermaßen erschüttert worden. Zwischen 1920 und 1929 betrug das Durchschnittseinkommen der nationalen Fonds 600.000—700.000 Pfund. Die Eingänge zeigten entweder eine stetig aufsteigende oder zumindest eine stabil gleichbleibende Tendenz. Im Laufe der beiden letzten Jahre fiel das Durchschnittseinkommn der beiden Fonds beträchtlich, das des Keren Hajessod um etwa 26%, allerdings nur, wenn man die Eingänge des Emergency-Fonds nicht in Rechnung setzt. Aber wieder muß man sagen, daß eine solche Schwankung unter dem Einfluß wirtschaftlicher Depressionen nichts Anormales darstellt. Auch im Steuereinkommen fest etablierter Staaten kommen in solchen Zeiten ähnliche und noch viel stärkere Schwankungen vor. Jeder sorgfältig vorbereitete Kreditplan setzt sie ohne Weiteres in seine Vorberechnungen ein. Demgegenüber steht ferner, wie schon bemerkt, ein Umstand, den ich als ein großes Plus auf dem Wege zur Durchsetzung unserer Pläne betrachte. Das ist der Vorschlag der Mandatarmacht, eine Development-Anleihe für Palästina zu garantieren, den wir im Laufe des zweiten Teiles unserer Londoner Verhandlungen zu prüfen hatten. Die Ergebnisse dieser Verhandlungen vom jüdischen Standpunkt und damit unsere Stellung zu den gegenwärtigen Developmentplänen der Regierung sind noch ganz ungewiß. Aber das konkrete Ergebnis der Verhandlungen unter der gegenwärtigen Konjunktur ist in dem Zusammenhang, den ich hier hervorheben will, durchaus nicht entscheidend. Entscheidend ist, daß jetzt zum ersten Mal die Mandatsregierung die politische und praktische Notwendigkeit anerkannt hat, ihre eigene Geltung für die Beschaffung von großen Krediten für die wirtschaftliche Erschließung des Landes einzusetzen. Daß es gerade die sozialistische Regierung in England ist, die sich rühmt, die erste gewesen zu sein, die den Weg einer systematischen Erschließungs- und Kreditpolitik in Palästina beschritten habe, ist weder ein Zufall noch eine geringzuschätzende Tatsache. Mögen auch unter den gegenwärtigen Umständen die konkreten Vorschläge der Regierung für uns unannehmbar sein, so bietet uns doch die prinzipielle Anerkennung der Regierung die Gewähr für die Zukunft, daß die Jewish Agency, wenn sie zu einem späteren Zeitpunkt die Hilfe der Mandatarmacht beim Völkerbund und der City bei der Erlangung ihrer eigenen Developmentkredite beanspruchen wird, Verständnis für ihre Kolonisationspolitik bei der Regierung finden wird. Wir wollen uns nicht darüber täuschen, daß überhaupt die entscheidenden Schwierigkeiten bei der Durchsetzung der ersten internationalen Jewish Agency- Anleihe garnicht so sehr auf der ökonomischen Seite unserer Pläne, wie vielmehr in der Ebene politischer und technisch formaler Widerstände zu suchen sind. Jene Bedenken juristischer und technischer Natur, die die Sachverständigen der Treasury in den Londoner Verhandlungen 1928 geltend gemacht haben — sie sind es, die die am schwersten übersteigbare Mauer für uns darstellen. Die Beamtenschaft ist überall und immer vorsichtig und konservativ. Die Beamtenschaft der Finanzministerien ist überall und immer — mit der Ausnahme der anleihesuchenden Staaten — besonders vorsichtig und konservativ. Eine Beamtenschaft des Finanzministeriums, die Anleihepläne für andere begutachten soll, ist schon gewiß vorsichtig und konservativ. Es gibt kaum Kreise, in denen die Herrschaft