Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 142)
- Language
- German, English, Hebrew
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Arlosoroff 139 nen (des Emergency-Fonds, der P.E.C.) und privater Investor-Gruppen aus England und Deutschland aufgebaut. Von dieser Seite aus betrachtet, liegt die wirklich große Bedeutung dieses Versuches für uns darin, daß es der erste Versuch ist, Arbeiterkolonisation unter Heranziehung von Privatkapital und außerhalb unserer Spendenmittel zu betreiben. Wie Sie wissen, stellt dieser Ansiedlungsplan an die Spannkraft und Ausdauer des Arbeitersiedlers sehr hohe Anforderungen. Wenn er gelingt, woran ich nicht zweifle, so eröffnen sich meiner Meinung nach gerade in dieser Kombination von privatem und nationalem Kapital große Möglichkeiten für die Arbeiterkolonisation auf der Grundlage der Pflanzung. Was heute für die Orangen möglich gewesen ist, kann morgen durchaus auch auf schwererem Boden für die Grapefruit oder die Banane möglich werden. Allerdings lehrt uns die Erfahrung mit der Ansiedlung der Tausend noch eines: So wichtig diese Versuche dezentralisierter Finanzierung der Arbeiterkolonisation sind, so notwendig sie auch mit der Einräumung sehr weiter Aufsichtsrechte an die Pflanzungsgesellschaft verbunden sind, so schädlich ist die Dezentralisation in der Ausführung des Ansiedlungsplanes selbst. Die Schaffung besonderer kolonisierender Instanzen durch jede solche Gesellschaft ist überflüssig, kostspielig und führt nur zu Reibungen und Verzögerungen. Der technische und administrative Apparat des Kolonisations-Departements der Agency ist dieser Aufgabe besser und billiger gewachsen. Eine Vereinheitlichung in der Ausführung der Siedlungspläne bei Wahrung des berechtigten Kontrollanspruches der investierenden Partner — etwa durch Organisierung besonderer Aufsichtsräte beim Departement — ist ein Organisationsproblem, das wir in nächster Zukunft lösen sollten. Die zweite Möglichkeit, die sich andeutet, ist die der kooperativen Finanzierung, die besonders für Mittelstandsgruppen, die Pflanzungen anlegen wollen, in Betracht kommt. Solche Mittelstandsgruppen (für die der Nationalfonds auch Böden zur Verfügung stellen könnte, insofern sie die Verpflichtung entweder der Selbstarbeit oder mindestens der jüdischen Arbeit als bindend anerkennen), sollten heute nicht nur in Amerika, wo die schwere Wirtschaftskrise jüdische Mittelschichten auf die Suche nach einem sicheren wirtschaftlichen Halt in Palästina geschickt hat, organisierbar»sein, sondern auch allen Schwierigkeiten zum Trotz unter dem Mittelstand in Polen. Ich weiß sehr wohl, noch aus den Erfahrungen, die Dr. Soskin bei seinem Versuch, das notwendige Menschen-Material für seine Siedlung zu finden, gesammelt hat, wie schwer es ist, Juden, die über ein paar hundert Pfund in bar verfügen, zur Selbstarbeit in der Landwirtschaft zu bewegen. Aber ich glaube, daß die Orangenpflanzung in dieser Beziehung doch nicht mit dem Gemüsebau zu vergleichen ist. Die Vorteile der kooperativen Finanzierung solcher Mittelstandssiedlungen liegen vor allem in der Möglichkeit der Nutzbarmachung bestimmter Kreditquellen im Herkunftsland der Kooperativen für die Zwecke der Ansiedlung. Daß auch dieser Typus mit einer Form der Arbeiterkolonisation kombiniert werden kann, zeigt der in seinen Anfängen überaus glückliche Versuch von Gan Fladar. Im Zusammenhang mit der Schaffung eines Institutes für langfristige Agrarkredite taucht ein Spezialproblem auf, auf das Dr. Ruppin mit Recht bereits wiederholt aufmerksam gemacht hat und das an ein viel größeres und allgemeineres, das der Rolle der Staatshilfe in unserem Finanzplan, heranführt. Das ist die Frage der Garantie der Palästina-Regierung für die Obligationen einer solchen Bank. Diese Frage kann für uns aus zwei Gründen entscheidend sein: Er-