Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 129)
- Language
- German, English, Hebrew
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jz6 Kongreß-Sitzung: Referat über Finanzierung des Palästinaaufbaus wirtschaftlichen Industrien viel stärker den Vorrang haben müssen als bisher. Unser Budget muß, um es mit dem Schlagwort zu sagen, produktiviert werden. Blicken wir auf die zehn Jahre der Keren Hajessod-Tätigkeit zurück, so ergibt sich, daß von den rund 4,400.000 Pfund Einnahmen nur etwa 27% der Landwirtschaft, 1,5% der Industrie, 21% für Immigration und Arbeit aufgewandt worden sind. Auch diese offiziellen Prozentziffern für Aufwendungen, die kolonisatorische Aktiva schaffen können, sind noch zu hoch gegriffen, da sie gewisse Verwaltungskosten mit enthalten. Das sind untragbare Proportionen. Es ist müßig, hier noch einmal auf das Gebiet des Prinzipiellen abzuschweifen, um ausführlich darzulegen, daß auch diejenigen, die seit Jahren für die Produktivierung des Budgets eintreten, die nationale Lebenswichtigkeit des einheitlichen hebräischen Schulwesens und eines modernen, auf europäischem Niveau stehenden Gesundheitsdienstes voll anerkennen, ja sogar ihren indirekten Wert für die wirtschaftliche Zukunft des Kolonisationswerkes gerecht zu würdigen wissen. Das ist müßig, weil diejenigen, die uns als Gegner der Kulturarbeit verschreien, uns doch nicht glauben werden, und diejenigen, die uns glauben, es doch schon längst wissen. Aber die Dinge in Palästina sind heute so weit herangereift, daß eine planmäßige und weitblickende Reform wohl möglich ist. Diese Erkenntnis hat heute bereits breite Schichten des jüdischen Jischuw ergriffen und aus dem Bewußtsein der Würde und der Selbstverantwortung des palästinensischen Judentums, aus seinem Drang, soweit wie möglich jeden Schilling für die Einwanderung und Seßhaftmachung neuer Juden in Palästina freizumachen, zu den Beschlüssen der Assefath Haniwcharim geführt, die die Überführung des Schul- und des Gesundheitswerkes in die Verwaltung und endgültige Verantwortung der Knesseth Israel zum Ziele haben. Eine Untersuchung des Budgets der Arbeiterkrankenkasse, die schon zu nahezu 80% auf eigenen Einnahmen beruht, zeigt, wie stark gerade auch in den werktätigen minderbemittelten Schichten des Jischuw dieser Geist der Selbstverantwortung ist. Der Jischuw ist bereit, sich noch stärker einzuspannen, er will die jüdischen Munizipalitäten und die nunmehr rechtlich anerkannten organisierten Gemeinden noch stärker in den Dienst dieser Aufgabe stellen, er will endlich einen, unserem Anteil an den palästinensischen Staatseinnahmen entsprechenden Beitrag der Palästinaregierung sicherstellen. Die Reorganisierung des Tel Aviver Hospitals durch seine Überführung an die Stadtverwaltung unter fester Beteiligung der Regierung ist ein Beispiel für diese Anstrengung. Der Kongreß sollte diese Tendenz unzweideutig fördern. Er sollte erklären, daß die dieses Mal für Erziehung und Gesundheit auszuwerfenden Summen als erste Rate eines dreijährigen Übergangszuschusses an die Knesseth Israel zu betrachten sind, bis diese wichtigen öffentlichen Dienste völlig in die Kompetenz des Jischuw und der Palästinaregierung übergehen. Auch später wird die Jewish Agency sich ihren Verpflichtungen auf dem Gebiet des Schul- und Gesundheitswesens nicht entziehen. Aber sie wird in der Lage sein, ihren Anteil frei zu bestimmen und sich besonders dem weiteren Ausbau der öffentlichen Dienste widmen können, sofern eine Erweiterung durch neue Einwanderung und das natürliche Wachstum des Jischuw notwendig sein mag. Hierher gehört auch ein anderes Problem, das immer wieder gestellt werden muß, das die Landarbeiterschaft selbst immer wieder stellt und mit dem wir alle gelernt haben, recht vorsichtig umzuspringen: das Problem der mög-