Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 128)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3476254-3476288--7933-3484082- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Arlosoroff ohne Zweifel die charakteristischen Züge der Entwicklung richtig widerspiegelt, 86,2 bis 98% ihr Unterkommen in den Städten und in den privaten Kolonien. So erfreulich die Absorptionskraft der Stadt und der privaten Plantagenwirtschaft für die Beurteilung mancher sein mag — davon wird noch zu sprechen sein — so beunruhigend und zu Konsequenzen zwingend ist der Umstand, daß der nationale Sektor der Wirtschaft immer mehr zurückgedrängt wird und die nationalen Fonds in der Verwurzelung der Einwanderung eine so verschwindend kleine Rolle spielen. Die dritte Tatsache, auf die es genügt, hinzuweisen, um sie ganz auszukosten, ist das Schicksal der berühmten ijoo Zertifikate vom vorigen Jahr, die die Regierung nach einem scharfen Protestkrieg und nach Monaten der Einwanderungssperre bewilligt hatte. Das alles sind keine Geheimnisse. Genau wie ich die Dinge hier ausspreche, sind sie im Einwanderungsdepartement der Regierung, dem High Commissioner, der Arabischen Exekutive, jedem Chaluz, jedem interessierten Zionisten bekannt. Nun will ich keinen Augenblick lang daran zweifeln, daß die gegenwärtige Situation in vielen Einzelheiten in der ganz besonders schlechten Konjunktur begründet ist. Ich will nicht daran zweifeln, daß diese Konjunktur vorübergehen kann und wird, daß die Folgen des Zusammenbruches der amerikanischen Spekulationswelle, des Preissturzes der Rohstoffe auf dem Weltmarkt und aller der Elemente, die die gegenwärtige weltwirtschaftliche Depression ausmachen, langsam sich verwischen werden, daß es uns gelingen wird, unsere Fonds nicht nur durch diese kritischen Jahre hindurchzusteuern, sondern ihre Eingänge noch beträchtlich zu steigern. Aber selbst wenn man relativ sehr günstige Entwicklungen in Aussicht nehmen will, dürfte es eine hervorragende Leistung sein, wenn wir etwa die Einnahmen beider Fonds von einem Durchschnitt von 600.000 bis 700.000 Pfund auf 800.000 bis 900.000 Pfund oder vielleicht gar wirklich auf 1,000.000 Pfund heraufpressen. Niemand wird leugnen, daß, wenn man die Spendenkraft und Willigkeit der sozialen Schicht, auf der unsere Fonds beruhen, und ihre Grenzen in Betracht zieht, das eine ausgezeichnete Leistung wäre und eine ungeheure Anstrengung erfordert. So schwer es ist, den Nutzeffekt einer Maschine um Prozente höher zu treiben, so schwer ist es, den Nutzeffekt der Fondsmaschine um ein Viertel oder ein Drittel zu steigern. Es sind da Grenzen, die objektiv unübersteigbar sind. In der Tat hat bereits Herr Dr. Hantke in seinem Keren Hajessod-Referat 1927 ganz klar auf diese Zusammenhänge hingewiesen, als er sagte: „Phantasten gegenüber mag allerdings betont werden, daß es selbst bei einer absoluten Einigkeit des jüdischen Volkes in der Palästinafrage technisch und wirtschaftlich unmöglich ist, alle oder auch nur die Mehrheit der Familien zu regelmäßigen Beiträgen zu veranlassen. Selbst der moderne Staat hat, trotz der außerordentlichen Zwangsmittel, die ihm zu Gebote stehen, nur in ganz vereinzelten Fällen den Versuch gemacht, die Masse der Unbemittelten zur Steuerleistung heranzuziehen/6 Dagegen dürfen wir, wie immer auch unser Finanzsystem in der Zukunft aufgebaut sein mag, auf keinen Fall in unseren Bemühungen nachlassen, aus den Eingängen der nationalen Fonds das Maximum an ökonomischem Nutzen, an kolonisatorischem "Wert herauszuwirtschaften, das nur menschenmöglich ist. Das bedeutet vor allen Dingen, daß in der Verwendung der Fondsgelder die unmittelbar kolonisatorisch, wirtschaftlich reproduktiven Ausgaben in land-