Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 127)
- Language
- German, English, Hebrew
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124 5- Kongreß-Sitzung: Referat über Finanzierung des Palästinaaufbaus men und von ihnen allgemeine Beiträge zu fordern, die keine wirtschaftlichen Erträge versprechen, trotz allem und nach allem die Linie des geringsten Widerstandes in der Geldaufbringung darstellt. Wir sind ihr immer wieder, gegen unser besseres Wissen, gefolgt. Wir haben unsere Entschlußlosigkeit teuer bezahlt. In den finanzpolitischen Richtlinien, die der XIII. Kongreß 1923 in Karlsbad angenommen hat, lauten die ersten Paragraphen: a) In einem Finanzsystem für den Aufbau Palästinas sind auf absehbare Zeit die Spendenfonds unentbehrlich. Der Keren Hajessod, der bisher das Palästinabudget gespeist hat, sowie der Nationalfonds müssen nicht nur erhalten, sondern nach Kräften ausgebaut werden. b) Andererseits muß ausdrücklich betont werden, daß die Spendenmethode ihrer ökonomischen Natur nach nicht die zentrale Finanzierungsmethode des Kolonisationswerkes sein kann. Daher muß mit der fortschreitenden Entwicklung der Kolonisation unser Finanzsystem immer mehr von den aus Spendenfonds fließenden Geldmitteln unabhängig gemacht werden. Aber im Jahre 1929, als man an die Gründung der Erweiterten Jewish Agency ging und ihre Verfassung ausarbeitete, schrieb man in ihre Konstitution unter Paragraph 9: „Wenn und solange vom Council nicht anders bestimmt worden ist, ist der Keren Hajessod (Palestine Fundation Fond) das Haupt-Finanzinstrument der Agency zum Zwecke der Deckung ihres Budgets." Die Tatsache, daß man die Gründung der Erweiterten Agency — ich bitte Sie, dabei streng zu beachten: vor den Augustunruhen, vor Weißbüchern und Regierungsdeklarationen, vor dem Börsenkrach in Amerika — nicht als große Chance betrachtet hat, endlich an die Schaffung von dem Zweck genügenden Finanzinstrumenten heranzugehen, sondern, im Grunde genommen, die zionistische Routine fortzusetzen, ist vielleicht das gefährlichste Symptom dafür, wie weit dieses Sichtreibenlassen auf der Linie des geringsten Widerstandes faktisch die Bewegung beherrscht hat, besonders gefährlich deshalb, weil auch für unsere nichtzionistischen Partner die Campaign für freiwillige Spenden die bequemste, am wenigsten beunruhigende Methode, kurzum wieder die Linie des geringsten Widerstandes war. Wohin wir mit dieser Entwicklung getrieben sind, kann man ohne Umschweife an drei einfachen Tatsachen illustrieren, die, dem eigentlichen Tätigkeitsbereich der nationalen Fonds entnommen, zu den bittersten Erfahrungen der letzten Jahre gehören. Es wäre ein Verbrechen, wenn wir die unerbittliche Sprache dieser Tatsachen nicht hören wollten. Die erste der drei ist das verschleppte Konsolidierungsbudget. Von Kongreß zu Kongreß treiben wir jetzt bereits das fünfte Jahr Konsolidierungspolitik ohne Konsolidierung, verschieben von Mal zu Mal die neue Kolonisation um der alten willen, ohne auch nur imstande zu sein, ein Minimalprogramm wirklicher Konsolidierung durchzuführen, weil sie sich verschleppt und die teure Wirtschaft des armen Mannes von Jahr zu Jahr teurer wird. Die zweite der Tatsachen, die ich im Sinn habe, ist die, daß von der Chaluz-Alijah der letzten fünf Jahre kaum noch ein merkbarer Bruchteil von der nationalen Kolonisationstätigkeit seinen Platz im Lande zugewiesen bekommen hat. Von Anfang des Jahres 1926 bis zum 1. April 1931 sind 12.589 Einwanderer der Zertifikatskategorie ins Land gekommen. Von diesen Arbeiter- Immigranten fanden nach dem Material, das im Merkas Alijah vorliegt und das