Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 126)
- Language
- German, English, Hebrew
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Arlosoroff hat etwa 200.000 Beitragszahler mehr oder weniger regelmäßig erfaßt. Das sind ungefähr 10% aller jüdischen Haushalte (außerhalb Rußlands). Wenig von dem, was im Laufe dieses Jahrzehntes an produktiven Werten in Palästina geschaffen worden ist, hätte wohl ohne die — direkte oder indirekte — Förderung oder Beteiligung seitens der Fonds entstehen können. So ist ihre Wirkung in der Tat auf den mannigfaltigsten Gebieten palästinensischen Lebens deutlich. Es kann gar keine Rede davon sein, daß — wie eine böswillige Kritik es behauptet — die Fonds als solche versagt hätten. Das ist nichts als rücksichtslose parteipolitische Agitation. Im Rahmen ihrer Methoden, ich meine sowohl die bisher üblichen Methoden der Fondsaufbringung wie die der Geldverwendung, haben die Fonds vieles, vielleicht alles Menschenmögliche geleistet. Aber das alles darf uns doch nicht verhindern, eben zu unserem Grundproblem zurückzugehen und zu fragen: Wie verhält sich dieser Rahmen der bestehenden Fonds zu den Erfordernissen der Verwirklichung des Zionismus? Fürchten wir nicht, daß eine solche Fragestellung, indem sie vielleicht eine grausame Diskrepanz zwischen Erfordernissen und Möglichkeiten aufzeigt oder den Hörer durch große blendende Ziffern niederdrückt, seiner einzelnen kleinen Steuerleistung den Sinn nimmt. Zu gut wissen wir, weiß jeder verantwortliche Zionist jedes winzige Teilchen des Erreichten zu schätzen, das für den großen Bau vielleicht nur Sandkorn für Sandkorn reicht und doch aus diesen Körnchen die Fundamente gebaut hat, auf denen allein wir weiterbauen können. Der kritische Punkt in der Entwicklung der nationalen Fonds ist eben damals eingetreten, als man, anstatt sie in einen umfassenden und den Bedürfnissen angepaßten Finanzplan einzubauen und ihnen im Rahmen dieses Finanzplanes bestimmte lebenswichtige und in ihren Grenzen erfüllbare Funktionen zuzuweisen, sie zu den zentralen, ja ausschließlichen Finanzinstrumenten der nationalen Kolonisation erhoben und ihnen Aufgaben aufgebürdet hat, denen sie auf keinen Fall gewachsen sein konnten und die sie von Jahr zu Jahr immer weiter in einen Konflikt zwischen Notwendigem und Möglichem, in einen Strudel von Verpflichtungen und Hilflosigkeit hineingetrieben haben, um sie schließlich in einem Gefühl objektiver Unzulänglichkeit zurückzulassen. Nun ist es nicht so, daß man in der zionistischen Bewegung oder selbst im Keren Hajessod diese elementaren Tatsachen übersehen oder die Konsequenzen gescheut hätte. Im Gegenteil, es hat an Versuchen nicht gefehlt, neben die Fonds andere Institute zu stellen, die Hebel, Instrumente zur Mobilisierung von Kapital werden sollten. Der Economic Board for Palestine, der in England gegründet wurde, geht wohl sogar direkt auf die Initiative des Keren Hajessod zurück. Ebenso wurde zu einem späteren Zeitpunkt Dr. Ruppin nach Amerika entsandt, um die Gründung eines Investment Trusts vorzubereiten. Aber das Entscheidende ist, daß man zum Schluß doch immer wieder noch einmal in den Rahmen des Spendenbudgets zurückgetrieben ist und sich schließlich mit seinen scheinbar unverschiebbaren Schranken abgefunden hat. Der Grund dafür liegt in dem Umstand, daß die Spendenmethode die Linie des geringsten Widerstandes in der Kapitalpolitik der Palästina-Kolonisation darstellt. Ich weiß, welche schwere und aufreibende Arbeit in den Fonds steckt. Ich habe selbst an Campaigns teilgenommen und weiß, wie schwer es ist, selbst überzeugte und interessierte Menschen dazu zu bewegen, freiwillige Steuern in einem ihren Gewohnheiten gegenüber erheblichen Betrag zu leisten. Und dennoch sage ich mit aller Entschiedenheit, daß zu Juden zu kom-