Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 123)
- Language
- German, English, Hebrew
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120 j. Kongreß-Sitzung: Referat über Finanzierung des Palästinaauf bans der Palästina-Regierung und ein vorzüglich geschulter Mathematiker ist. Seine Kurven untersuchen die hypothetische Entwicklung im Kräfteverhältnis der palästinensischen Bevölkerungsgruppen zueinander unter variierenden Voraussetzungen jüdischer Einwanderung und des Geburtenüberschusses der Landesbevölkerung. Die vier Kurven nehmen eine jüdische jährliche Einwanderung von 25.000, 20.000, 15.000 und 10.000 an und kombinieren sie mit einem Geburtenüberschuß von 10, 12, 10 und 19%. Die Resultate faßt der Shaw-Bericht wie folgt zusammen: „Though the diagrams are based on hypotheses, they are of interest as indicating the time at which, under the given conditions, the Jewish population should in theory equal the Arab population. From Graphs I, II and III, it will be seen that, given conditions which they assume, the dates of this event would be 1948, 1956 and 1969 respectively. On the conditions assumed for Graph IV it seems that the Jewish population would still be half a million less than the Arab population when the maximum figure of three millions for the total population was reached." In der Wirklichkeit hat, wie gesagt, die jährliche Durchschnitts-Einwanderung in den letzten zehn Jahren die hypothetische Ziffer der Kurve IV nicht erreicht, dagegen hat der wirkliche Geburtenüberschuß der palästinensischen Gesamtbevölkerung im Jahre 1928: 24,9%, im Jahre 1929: 24,6% betragen. Gemessen an diesen Tatsachen kann vom Standpunkt des Zionismus selbst der Umstand, daß Palästina während dieser Periode dennoch eines der relativ bedeutendsten jüdischen Einwanderungsländer gewesen ist, über die grundlegenden Entwicklungstendenzen nicht hinwegtäuschen. Ich spitze die Fragestellung absichtlich so zu, obwohl ich weiß, daß es sich in meinem Referat gar nicht darum handeln kann, ein finanzpolitisches Heilmittel anzupreisen, das über Nacht alle unsere Gebrechen beseitigen, alle Konjunkturen umschlagen lassen würde, ein Universalrezept von sofortiger und unfehlbarer "Wirksamkeit. Es kann ein solches Rezept nicht geben. Zudem ist auf finanziellem Gebiet noch weniger als auf anderem ein doktrinäres Dogma am Platze, das sich gleichviel aus welchen Erwägungen auf ein Mittel versteift. Gleichgültig wie in der Zukunft das Finanzsystem des jüdischen Palästinawerkes beschaffen sein mag, wird es immer auf einer Kombination von Methoden aufgebaut sein. "Wir werden immer viele Eisen im Feuer halten müssen, wenn wir den finanziellen Aufgaben einer stetigen und genügend großen Einwanderung und einer systematischen, auf modernen Grundlagen aufgebauten Volkskolonisation gerecht werden wollen. Worum es sich also nur handeln kann, ist, die Erfahrungen des letzten Jahrzehntes unserer Arbeit noch einmal zusammenzufassen, unsere jetzige finanzielle Situation, immer gemessen an den Erfordernissen unseres Werkes, zu untersuchen und aus einer solchen rückblickenden Zusammenfassung die Folgerungen abzuleiten, die sich für die zukünftige Gestaltung unseres finanziellen Aktionsplanes daraus ergeben. Die erste Frage, die ich in diesem Zusammenhang kurz berühren möchte, ist die: Was wissen wir heute aus den Erfahrungen des Jahrzehntes über den Kapitalbedarf der jüdischen Kolonisation im Verhältnis zur Einwanderung? Die Möglichkeit der wirtschaftlichen Resorption einer Immigrantenmasse Jahr auf Jahr ist — wie jeder Kenner der wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes und der ökonomischen Gesetze der Immigration weiß — eine direkte Funktion der Kapitalgröße, die in öffentlicher oder privater Hand, zur Investition oder