Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 122)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476288--7927-3484076- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Arlosoroff 119 entscheidenden Problem zurücktreibt. Finanzierungsfragen sind technische und, wie viele meinen, trockene und reizlose Fragen. Und doch hängt von ihnen, wie in der modernen Kriegsführung so in der modernen Kolonisation, häufig die Entscheidung ab. Aus Mangel an finanzieller Rüstung hat der Zionismus im ersten Jahrzehnt seiner Nachkriegstätigkeit auch günstigen völkerrechtlichen und psychologischen Bedingungen zum Trotz nicht über das Stadium der ersten vorbereitenden Anfänge hinauskommen können» Vom Standpunkt des großen Zionismus, wie wir ihn verstehen, des Zionismus nämlich, der durch Wanderung, Siedlung und Wirtschaftsaufbau einen wesentlichen Beitrag zur Judenfrage und den entscheidenden Beitrag zur Existenzfrage der Juden als Nation liefern will, ist das, was wir im ersten Jahrzehnt des Mandats erreicht haben — so groß und bedeutungsvoll es an sich ist — doch nichts mehr als Laboratoriums-Maßstab, oder um einen treffenderen Ausdruck aus dem landwirtschaftlichen Versuchswesen zu gebrauchen, Zionismus in „field-experiment". Vielleicht kann man, gerade wenn man die Größe der Wirkung, die von dem heutigen kleinen Jischuw in Palästina auf die jüdische und nicht jüdische Welt ausstrahlt, richtig abschätzt, einen gerechten Blick für die möglichen Wirkungen bekommen, die von der fortschreitenden Verwirklichung des Zionismus ausgehen werden. Aber die Verwirklichung des großen Zionismus hat eben noch nicht begonnen. Alles das Große, was wir bisher im Lande erreicht haben, das sogar in den schweren Jahren politischer und wirtschaftlicher Krisen immer weiter gewachsen ist und als Grundlage für die Zukunft des KolonisationsWerkes lebenswichtig ist, darf uns nicht dazu führen, das zu vergessen. Das ist nicht einmal ein Ketzergedanke. Auf dem 13. Kongreß, 1923, als der abstrakt-phantastische Ziffernstreit zwischen Maximalisten und Minimalisten schon längst verklungen war und die harte Wirklichkeit ihre eindringliche Sprache zu sprechen begann, hat Ruppin in seinem Vortrag über Palästina-Arbeit folgendes gesagt: „Heute bin ich. wenn ich nach wie vor an der Endziffer von 30.000 als notwendig festhalte, der Maximalist. Ich halte sie für notwendig. Nur bei einer solchen Ziffer sind wir auf dem Wege zu einer nationalen jüdischen Heimstätte. Als wir auf dem letzten Kongreß ein Budget von 1,5 Millionen Pfund vorlegten, sagte ich in meiner Kongreßrede, daß wir mit diesem Budget die Möglichkeit für 30.000 Einwanderer schaffen könnten. Als wir statt der 1,5 Millionen Pfund nur ein halbe Million erhielten und anstatt 30.000 nur 8000 bis 10.000 Einwanderer ins Land kamen, schien es mir, daß unsere ganze Bewegung aussichtslos sei, wenn es nicht gelingt, größere Mittel zu bekommen/' Aber im Laufe des ersten Jahrzehnts des Mandates haben wir nur in einem einzigen Jahre Ruppins notwendiges Minimum erreicht. Im Durchschnitt der zehn Jahre haben wir mit allem Auf und Ab der Immigrationsbewegung ungefähr 9000 Juden jährlich nach Palästina gebracht und im Wirtschaftsleben des Landes verwurzelt. Sind wir also schon auf dem Wege zu der nationalen jüdischen Heimstätte? Wir haben kein Recht, uns selbst und dem jüdischen Volke gegenüber einer Antwort auf diese Frage auszuweichen. Vor nicht allzu langer Zeit haben wir von einer nichtjüdischen, englischen Seite in höchst präziser Formulierung, über die wir nicht hinwegsehen können, die gleiche Frage gestellt bekommen. In dem Anhang zum Bericht der Shaw-Kommission finden sich jene graphischen Darstellungen, deren Verfasser, Mr. Mills, einer der hohen Beamten