Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 115)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476288--7920-3484069- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ii2 4- Kongreß-Sitzung: Referat über Lage u. Probleme d. Zion. Organisation machen, als wir ein hoch qualifiziertes zionistisches Beamtentum schufen und ihm in der Bewegung zugleich moralischen Rückhalt und Autorität sicherten*. Ich habe es in diesem Sinn als einen entscheidenden Fortschritt angesehen, als wir dazu übergingen, Mitglieder der Exekutive zu honorieren, um es ihnen zu ermöglichen, sich ganz einer Aufgabe zu widmen, die eben nicht mehr in dem Stil jüdischer Wohlfahrts- oder Gemeindeorganisationen „nebenbei" bewältigt werden konnte, sondern den Einsatz aller Kräfte forderte. Dieses zionistische Beamtentum ist in der letzten Zeit vielfach angegriffen und kritisiert worden- Man hat einmal grundsätzlich die Auffassung vertreten, daß die Bewegung in Gefahr ist, bürokratisiert zu werden. Es ist richtig, daß diese Gefahr überall besteht, wo Beamtentum ausschließlich das Feld beherrscht, und ich bin durchaus der Meinung, daß alle Versuche unterstützt werden müßten, der freiwilligen Arbeit in der Organisation ein möglichst weites Feld einzuräumen. Vor allem ist die Mobilisierung freiwilliger Mitarbeiter eine Lebensfrage für den Keren Hajessod, während der Keren Kajemeth schon jetzt in manchen Ländern einen starken Rückhalt in der Mitarbeit der Jugend hat. "Wir müssen uns zwar darüber klar sein, daß die relativ großen finanziellen Leistungen der letzten zehn Jahre in einem entscheidenden Maße gerade eine Leistung der Beamtenschaft sind, aber große Fortschritte über die Grenzen der bisherigen Leistungen hinaus werden nur durch Wiederbelebung freiwilliger Arbeit erzielt werden können. Keinesfalls darf aber, freiwillige Mitarbeit in einen Gegensatz zur Beamtenschaft gebracht werden, die als Motor unentbehrlich ist. "Wir sind heute aus finanziellen Gründen zu einem Abbau der Beamtenschaft gezwungen. Es muß aber davor gewarnt werden, diesen Abbau zu weit zu treiben. Ich habe bei einer Reise durch osteuropäische Länder erst vor kurzem Organisationen angetroffen, deren Büros verödet sind, denen es an leitenden Sekretären und noch mehr an Instruktoren und Propagandisten für die Frontarbeit fehlt, ohne daß es gelungen wäre, sie durch ehrenamtliche Kräfte zu ersetzen. Vergessen wir nicht, wenn wir immer wieder an die guten alten Zeiten zurückdenken, daß wir heute von der Organisation Leistungen ganz anderer Art verlangen, als sie der Vorkriegszionismus forderte. Ich bin tief davon durchdrungen, daß die Organisation ihrer Aufgabe nur gerecht werden kann, wenn sie sich die Mitarbeit hochqualifizierter Beamter in nicht zu geringer Zahl erhält. Man muß sich auch mit aller Entschiedenheit gegen den Versuch stemmen,, die zionistische Beamtenschaft durch einen übermäßigen Abbau der Gehälter zu pauperisieren. Über Gehälter kann man immer diskutieren, und die Exekutive wird sich niemals brauchbaren Vorschlägen widersetzen. Die zionistische Beamtenschaft darf auch die Kritik an ihren Gehältern nicht allzu tragisch nehmen, denn diese Kritik ist eine Erscheinung des öffentlichen Lebens überhaupt und nicht ein spezielles Phänomen der zionistischen Bewegung. Man muß aber wissen, was man will und was man nicht will. "Was mich betrifft, so will ich nicht, daß die zionistische Beamtenschaft pauperisiert wird. Wir dürfen keine übermäßig hohen Gehälter zahlen, aber wir müssen es unseren Beamten, von denen großenteils weit höhere Arbeitsleistungen verlangt werden, als etwa im Durchschnitt von Staatsbeamten, ermöglichen, ihr äußeres Leben so zu gestalten, daß sie sich mit allen ihren geistigen Energien ihrer Arbeit widmen können. Vergessen wir nicht, daß wir unseren Beamten keine Anstellung auf Lebenszeit garantieren können. Wir sollen unseren Beamten keine zu hohen Gehälter zahlen, aber auch