Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 113)
- Language
- German, English, Hebrew
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iio 4- Kongreß-Sitzung: Referat über Lage u. Probleme d. Zion. Organisation nahmen selbst trifft, wohl aber darauf, daß sie sie entscheidend beeinflußt. Es ist eben das „für-alles-verantwortlich-gemacht-werden-können", das das wesentlichste Element der Organisation ist und das man nicht beseitigen kann, ohne den Charakter der Organisation entscheidend zu verändern und seiner volkhaften Bedeutung zu berauben. Aus dieser Betrachtungsweise ergeben sich eine Reihe Konsequenzen praktischer Art für die Gestaltung unseres Werkes in Palästina und insbesondere auch für seine Leitung durch eine Exekutive, die nicht bloß das Werk, sondern auch das Volk repräsentieren soll. Der volkhafte Charakter der Zionistischen Organisation beruht aber natürlich auch — und vielleicht in erster Linie — auf ihrem demokratischen Aufbau, mit anderen Worten darauf, daß jeder Zionist imstande ist, auf die Geschicke der Bewegung persönlich Einfluß zu nehmen. Diese Demokratie ist ein kostbares Gut, das sorgfältig gehegt werden muß, weil es in noch viel höherem Maße als für andere Völker für uns Juden wahr ist, daß demokratische Entwicklung und nationales Erwachen Hand in Hand gehen. Ich glaube sagen zu können, daß sich im großen und ganzen auch die praktische Anwendung des demokratischen Prinzips in der Bewegung bewährt hat, und wenn wir diesmal wieder feststellen können, daß 233.000 Schekelzahler zur Wahl gegangen sind, um auf die Gestaltung der Geschicke der Zionistischen Organisation persönlich Einfluß zu nehmen, so sollen wir diese Bekundung eines neu erwachten politischen "Willens im jüdischen Volke als ein Phänomen nationaler Erneuerung nicht geringschätzen. Wir müssen heute umso sorgfältiger die zionistische Demokratie behüten und pflegen, weil wir uns nicht darüber hinwegtäuschen dürfen, daß in der Jewish Agency diese Demokratie ein Gegengewicht in Kräften gefunden hat, die jedenfalls ihrerseits nicht demokratisch kontrolliert sind. Man muß also mit großer Behutsamkeit an alle Versuche herantreten, die praktische Anwendung des demokratischen Prinzips im Organismus unserer Bewegung zu reformieren. Dennoch erscheinen mir einige Reformen notwendig. Ich will nur zweierlei andeuten: Erstens müssen wir mit fortschreitender Entwicklung dem Gedanken in unserer Organisation zum Durchbruch verhelfen, daß Demokratie nicht bloß die Ausübung von Rechten, sondern auch die Erfüllung von Pflichten bedeutet. Ich kann diesem Gedanken auch eine andere Wendung geben und sagen: Wir repräsentieren das organisierte, vom palästinensischen Pioniergedanken erfüllte und um dieses Gedankens willen zu Opfern und zur Pflichterfüllung entschlossene jüdische Volk und nicht die jüdischen Massen. Wir sind das organisierte Volk und nicht die unorganisierte Gasse. Aus diesem Gedanken müssen in immer steigendem Maße Konsequenzen gezogen werden. Nach meiner Ansicht muß es allmählich dazu kommen, daß in der Zionistischen Organisation alle diejenigen zu bestimmen haben, die durch Beiträge, die wirkliche Leistungen darstellen, sowohl die Organisation als Mitglieder sowie den Aufbau Palästinas als Steuerzahler unterstützen. Diese Beiträge und Steuern müssen so bemessen sein, daß jeder zu ihrer Entrichtung imstande ist. Aber es ist fraglich, ob es sich mit der Berufung auf Demokratie rechtfertigen läßt, daß derjenige über die Wahl der Leitung und über die Verwaltung eines großen Budgets mitentscheidet, der einmal in zwei Jahren einen Schekel entrichtet, der noch dazu so bemessen ist, daß er zwar einen Beitrag, aber keine Leistung darstellt. Ich bin überzeugt, daß eine schärfere und charaktervollere Herausarbeitung der Pflichten des organisierten zionistischen Volksgenossen kei-