Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 110)
- Language
- German, English, Hebrew
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Rosenblüth 107 2. das Prinzip der Disziplin; 3. der demokratische und volkstümliche Aufbau der Organisation; 4. die eigentümliche Gliederung der Organisation in Landes- und Sonderverbände. Als neuer organisatorischer Gedanke ist in den letzten Jahren hinzugekommen : 5. Kooperation mit Nichtzionisten. Zunächst ein Wort über das Prinzip des Rahmenprogrammes, oder, wie man auch sagen könnte, der Gesinnungsfreiheit im Zionismus. Wir sind ein Bund der Gesinnungsgenossen, d. h. die Zionistische Organisation existiert nur so lange, so lange sich jeder Zionist mit jedem anderen Zionisten in größerer Solidarität verbunden fühlt als mit Nichtzionisten. Aber gerade diese Einheit kann nur aufrechterhalten werden, wenn der Rahmen der Gesinnungsgemeinschaft weit gezogen wird, mit anderen Worten: ein zionistisches Programm kann nur in einer sehr weiten Fassung den wahren Bedürfnissen des Zionismus genügen, um alle diejenigen zu vereinigen, die um der nationalen Erneuerung des jüdischen Volkes willen am Aufbau Erez Israels mitarbeiten wollen. Jede Verengerung des Programms muß die Organisation sprengen. Wenn man Herzl preist, so soll man auch verstehen, daß er mit tiefer organisatorischer Intuition dem Baseler Programm den Charakter eines Rahmenprogrammes gegeben hat, das weder ein Minimalprogramm war, noch ein Maximalprogramm, sondern in seiner Formulierung den Wert einer mächtigen Symbolwirkung für alle Zionisten, für die nichtzionistische und die nichtjüdische Welt erhielt. Das Baseler Programm , ist ein Schutz vor der Sektenbildung. Zwangsläufig müßte die Zionistische Organisation der Zersetzung und Auflösung verfallen, wenn der Versuch gelingen sollte, das Baseler Programm durch eine für alle Zionisten verbindliche Interpretation zu verengen. Nur ein solches Rahmenprogramm kann unsere über die ganze Welt verzweigte Bewegung angesichts ihrer kulturellen Differenzierung und Nuancierung zusammenhalten. Diese Forderung nach elastischer Gestaltung des Programmes steht nicht im Widerspruch mit dem vorher aufgestellten Postulat der Konkretisierung und Aktualisierung unserer Ideologie. Ideologie verpflichtet und zwingt nicht, sie weist nur den Weg. Diejenigen gehören schon zusammen, die um die gleiche Ideologie ringen. Das Programm aber ist ein Glaubensbekenntnis. Diesem Charakter unseres Baseler Programmes als eines Rahmenprogrammes entspricht es, daß die Organisation beherrscht sein muß von einem Geist der Toleranz und gegenseitigen Duldung, wenn sie vor der Gefahr eines Zerfalles bewahrt werden soll. Die Zionistische Organisation spiegelt in einem Mikrokosmos das lebendige jüdische Volk wieder, und unter den besonderen Bedingungen der Existenz des jüdischen Volkes ist Toleranz und die Fähigkeit, einander zu verstehen, geradezu ein Gradmesser für die Echtheit und Intensität nationalen Empfindens. Nicht mit Unrecht sagt man von der Agudas Jisroel, daß sie zu intolerant ist, um volkhaft empfinden zu können, und es ist eine zionistische Lebensnotwendigkeit, daß wir im eigenen Lager nicht das Aufkommen einer solchen Orthodoxie zionistischer Programmwahrheiten dulden, die berechtigt wäre, Andersdenkende zu ächten und auszuschließen. Freilich muß Toleranz gegenüber der Gesinnung des Gesinnungsgenossen