Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 106

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 106 (sequence 109)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476288--7914-3484063
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

io6 4. Kongreß-Sitzung: Referat über Lage u. Probleme d. Zion. Organisation beizutragen hat. Es kommt heute darauf an, zu zeigen, daß der Zionismus dieser entscheidende Beitrag ist und bleibt, auch wenn man diese Antwort nicht im luftleeren Raum, sondern ganz konkret, unter Berücksichtigung der realen Erfahrungen der letzten 15 Jahre, erteilt, unter Berücksichtigung der neugewonnenen Kenntnisse über die natürlichen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen und Begrenztingen unserer Arbeit in Erez Israel. Die Aufstellung bloßer Formeln, die Verwendung von Grenzbegriffen, wie man sie einmal genannt hat, genügte dem ideologischen Bedürfnis in einer Zeit, als wir noch keine empirischen Grenzen kannten. Heute kommt es darauf an zu zeigen, daß der Zionismus auch bei einer Probe auf die Wirklichkeit seine Bedeutung für die Lösung der Judenfrage behält. Dieser Beweis kann geführt werden in einer Darstellung, bei der die materiellen Aspekte zionistischer Entwicklung in großen,, wenn auch selbstverständlich begrenzten Dimensionen erscheinen und bei der die grenzenlose absolute Bedeutung der zionistischen Lösung für die Entfesselung der unterdrückten geistigen und sittlichen Kräfte des jüdischen Volkes und die Wiedergewinnung des Freiheitsbewußtseins im jüdischen Volke nichts, aber auch gar nichts von ihrer Größe verliert. Wie gesagt, ich glaube nicht an die Möglichkeit fruchtbarer ideologischer Debatten im Kongreß. Sicher ist aber, daß die zionistische Ideologie dauernd, und insbesondere jetzt, einer Nachprüfung bedarf; im gegenwärtigen Augenblick um der Zionisten selbst willen und dauernd im Interesse der zionistischen Propaganda, wenn sie imstande sein soll, ihren propagandistischen Aufgaben gerecht zu werden. Vom Propagandastandpunkt aus muß die zionistische Ideologie dauernd überwacht werden, um ihre Wirkung auf die politischen Faktoren zu sichern, mit denen wir zu rechnen haben, und um. ihr die Fähigkeit zu erhalten, die jüdische Welt im Wettbewerb mit konkurrierenden Zeitströmungen für uns zu gewinnen. Die zionistische Ideologie ist in höherem Maße durch das geschriebene Wort geprägt, gestaltet und weitergebildet worden als durch das gesprochene. Was wir brauchten, ist, glaube ich, eine Tribüne für ideologische Forschung, für die Auseinandersetzung der zionistischen Idee mit der Wirklichkeit des jüdischen Volkslebens und Palästinas. Die Tribüne sollte eine internationale zionistische Monatsschrift sein. Es ist allerdings zweifelhaft, ob die Zionistische Organisation bei ihren heutigen Finanzen zur Schaffung eines solchen Organs befähigt ist. Hier bietet sich eine dankbare Aufgabe für einen Einzelnen oder für eine Gruppe von Einzelnen, die durch eine besondere Leistung der zionistischen Bewegung einen Dienst erweisen wollen. Ist in der zionistischen Bewegung das Gefühl der Sicherheit wieder hergestellt, so ist damit der wesentliche und entscheidende Schritt zur Stärkung der Organisation getan. Demgegenüber verlieren alle übrigen inneren Probleme und noch mehr die Fragen der organisatorischen Formgebung und Gestaltung an Bedeutung, und sie werden sich dann von selbst lösen. Prüfen wir dennoch in kurzem Überblick die wesentlichen organisatorischen Grundgedanken, auf denen unsere Organisation beruht, und versuchen wir festzustellen, wie weit sie revisionsbedürftig sind. Mir scheint, daß für die Gestaltung dieser Organisation folgende organisatorischen Grundgedanken charakteristisch sind: 1. Das Prinzip des umfassenden Rahmenprogramms, in dem weltanschaulich und politisch verschieden gerichtete Teile unseres Volkes Platz haben;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.