Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 108)
- Language
- German, English, Hebrew
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Rosenblüth 105 in ihr seelische Befriedigung aus zwei Gründen. Die Zionistische Organisation, als Verkörperung der zionistischen Idee, war ihm ein Wegweiser aus den Nöten der Galuth, der Zionismus war ihm die Antwort auf die Lösung der Judenfrage, die er als persönliches oder als ein Kollektivproblem in seinem Leben schmerzlich kennengelernt hatte. Die Zionistische Organisation war ihm eine Heimat, sie war, wie wir oftmals sagten, der Judenstaat unterwegs, eine Vorwegnahme der Erfüllung volkhaften Zusammenlebens, ein Organismus, in dem sich ein jeder als Teil eines großen Ganzen empfand, in dem die Zerrissenheit •des Ghetto überwunden und in einer neuen höheren Einheit aufgelöst wurde. Will man der Wahrheit ins Gesicht sehen, so muß man sagen, daß sich •die Zionisten in der Zionistischen Organisation heute nicht mehr ganz glücklich und sicher fühlen, und wenn die äußere Leistungsfähigkeit in den letzten zwei Jahren unter dieser inneren Krankheit noch nicht entscheidend gelitten hat, so wird auch sie in kurzer Zeit angegriffen werden, wenn es nicht gelingt, Wandel zu schaffen. Damit sind wir bei der Behandlung der eigentlichen organisatorischen Probleme angelangt, mit denen wir uns allzulange Zeit nicht ernstlich beschäftigt haben. Es ist keine Frage, daß es vor allem dieses ideologische Problem ist, das der Behandlung und Lösung bedarf, und daß demgegenüber Fragen organisatorischer Formgebung, organisatorischer Gestaltung und Gliederung Fragen durchaus zweiten und dritten Ranges sind, wenngleich auch sie in ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden sollen. Aber es ist ja nicht so, um ein Beispiel zu geben, daß wir die Zerrissenheit der Zionistischen Organisation heute so schmerzhaft empfinden, weil die Landes- und Sonderverbände nicht zu Territorialverbänden zusammengefaßt sind, sondern die Organisation ist äußerlich gespalten, weil es ihr an innerer Harmonie fehlt. Bei dieser oder jener Gestaltung unseres Schekelrechtes, bei dieser oder jener Anlage unserer Kongreßtechnik — alles Fragen, die ich keineswegs bagatellisiere, sondern entweder hier oder in der Kommission eingehend behandeln will — könnten wir uns in der Organisation zufrieden fühlen, wenn nicht innere Sorgen uns bedrängten. Ich möchte gleich sagen, daß ich nicht an die Möglichkeit einer fruchtbaren Behandlung dieser inneren Probleme gerade im Rahmen des Kongresses glaube. Allerdings ist es notwendig, daß der Kongreß das Problem sieht und sich seiner bewußt wird. Ich will das Problem ganz offen definieren, so wie ich es sehe und verstehe. Wir befinden uns bereits seit Jahren in einer Periode relativer kolonisatorischer Stagnation. Nicht, als ob in Palästina kein Fortschritt erzielt würde, aber diese Bewegung ist Stillstand, gemessen an dem notwendigen Tempo einer Aufbauarbeit, die uns zionistisch sinnvoll erschiene. Das Rekordjahr des Keren Hajessod liegt bereits vier Jahre zurück. Über die politische Lage hat hier Dr. Weizmann gesprochen, und das eine jedenfalls wird aus seinen Worten klar geworden sein, daß wir uns auf unsere eigenen Kräfte stützen müssen. Was sind aber unsere eigenen Kräfte? Das Ausmaß der Immigration ist mehr als unbefriedigend. Die Krise der Immigration lastet mit kaum tragbarer Schwere vor allem auf der Jugendbewegung im Osten. Es ist angesichts dieser Lage an der Zeit, daß eine ernste ideologische Besinnung erfolgt. Der Zionismus hat nur Sinn und kann jedenfalls als eine elementare Bewegung in unserem Volksleben nur existieren, wenn er eine Antwort auf die Judenfrage in dem Sinne ist, daß er Entscheidendes zu ihrer Lösung