Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 107)
- Language
- German, English, Hebrew
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104 4- Kongreß-Sitzung: Referat über Lage u. Probleme d. Zion. Organisation wicklung unserer Organisation verdient die Jugendbewegung. Die großen Verbände Haschomer Hazair, Gordonia, Zeire Misrachi, „Freiheit"7, Hechaluz, Brith Trumpeldor sind zahlenmäßig innerhalb der letzten zwei Jahre gewachsen, zum Teile sehr beträchtlich. Der Haschomer Hazair registriert 35.000 Schomrim und Schomroth. Die Gordonia meldet 18.000 Mitglieder, die „Freiheit", eine Hauptgruppe der poale-zionistischen Jugendbewegung, registriert allein in Polen 7000 Mitglieder, der Brith Trumpeldor 22.000 (davon in Polen 14.000). Über die Zeire Misrachi und verwandte Organisationen liegen ebenfalls Ziffern vor, die an 30.000 heranreichen, und daß sie ein lebendiger Zweig am Stamme der Zionistischen Organisation sind, habe ich selbst erst vor kurzem in Polen feststellen können. Neben diesen Partei-Jugendorganisationen steht der Makkabi- Weltverband, der in den letzten Jahren unter einer aktiven Leitung sowohl an Zahl als auch an erzieherischer Bedeutung für unsere Bewegung wesentlich gewonnen hat und etwa 30.000 organisierte Mitglieder zählt. Das wesentlichste neuere Ereignis in der Entwicklung der Jugendorganisationen ist der zum ersten Male unternommene Versuch, die allgemein-zionistische Jugend in territorialen Verbänden zu konsolidieren und zugleich international zusammenzuschließen. Es ist kein Zweifel, daß es heute in einigen Ländern, vor allem in West- und Ostgalizien und Altrumänien, aber auch in Polen, Ungarn, Holland, einen allgemeinzionistischen Nachwuchs gibt, eine Jugend, die aus ihrer Mitte heraus eine Wiederbelebung der stamzionistischen Ideologie zu entwickeln sucht und in klarer und deutlicher Abgrenzung gegen die Jugendorganisationen der Sonderverbände eine Jugendbewegung geschaffen hat, zusammengefaßt größtenteils im „Hanoar Haiwri" mit mehr als 22.000 Mitgliedern, die ebenso wie alle anderen Zweige der Jugend in hohem Maße von chaluzischem Geiste durchdrungen ist. Wenden wir uns jetzt einer mehr kritischen Betrachtung zu, so wird es ohne weiteres klar, daß die Landesaufnahme vom Flugzeug der Statistik aus nicht ausreichend ist, um die kultivierte, fruchttragende Fläche der Organisation von der unkultivierten zu unterscheiden, geschweige denn die kultivierbare von der unkultivierbaren. Die vorhergehende Erörterung zeigt eigentlich nur, daß der Apparat der Organisation erhalten ist, daß die Maschine arbeitet und — abgesehen von einigen Ländern, wie vor allem Amerika — verhältnismäßig reibungslos weiterläuft. Die vorangegangene Erörterung bewies, daß in kritischen Zeiten die Bewegung, vor allem durch die Organisationstechnik der Sekretariate und der Beamtenschaft, auch durch schwierige Gewässer gesteuert werden und auf einem relativ hohen Grad äußerer Leistungsfähigkeit erhalten werden kann. Die Wahrheit ist, daß zwar das äußere Gefüge der Organisation einigermaßen unbeschädigt geblieben ist, daß aber trotzdem die Organisation innerlich krank ist. Die Wahrheit ist, daß wir in diesen letzten beiden Jahren von den Reserven eines großen Kapitals gezehrt haben, das eine Tradition relativ hoher organisatorischer Schulung und Erziehung geschaffen hat. Die Wahrheit ist, daß es höchste Zeit ist, der Organisation den Puls zu fühlen und auf Mittel zur Besserung zu sinnen. Will man die innere Lage in der Bewegung ganz allgemein kennzeichnen, so kann man sagen, daß aus ihren Reihen ein Teil der alten Freudigkeit gewichen ist und in gewissem Maße einer Organisations-Verdrossenheit Platz gemacht hat. Wer sich der Zionistischen Organisation anschloß, suchte und fand