Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 106)
- Language
- German, English, Hebrew
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Rosenblüth 103 daß der Rückgang zum erheblichen Teile eine wirtschaftliche Krisenerscheinung ist. Wie steht es mit dem Keren Hajessod? Vom 1. April 1927 bis 31. März 1929 nahm der KH. 858.000 Pfund ein, vom 1. April 1929 bis 31. März 1931 nur 647.000 Pfund, also ein Rückgang von etwas mehr als 200.000 Pfund. In der gleichen Zeit sanken die Einnahmen in Amerika von 402.000 auf 162.000 Pfund, also um 240.000 Pfund. Diese Ziffer erklärt ausreichend den Rückgang und deutet auf Amerika als den wundesten Punkt unserer Organisation. Betrachtet man das letzte Jahr 1930/31 für sich allein, so stellt sich allerdings heraus, daß auch die nichtamerikanischen Länder mit den laufenden Einnahmen um etwa 30% gegenüber dem Vorjahre zurückbleiben. Vertieft man sich in die Details der Ziffern, 50 kommt man zu dem Ergebnis, daß der Rückgang der Eingänge auf organisatorische Mißstände in der Bewegung schließen läßt, aber doch wesentlich auch auf wirtschaftliche Ursachen zurückzuführen ist, eine Diagnose, die jedenfalls für die meisten Länder zutrifft. Machen wir einige weitere Zahlenproben und gehen wir dabei wieder zu unserem engeren Gebiet der Zionistischen Organisation zurück, so können wir feststellen, daß in den meisten Ländern die Zahl der organisierten zionistischen Lokalgruppen in den letzten zwei Jahren gestiegen ist. Soweit Landes- und Sonder verbände über fest organisierte Mitglieder verfügen — ein Thema, von dem später noch die Rede sein wird — so bewegen sich die Vergleichsziffern in einer aufsteigenden Kurve. Die Zahl der zionistischen Zeitungen hat sich in fast allen Ländern vermehrt, manchmal ein Zeichen fortschreitender Zersplitterung, im großen und ganzen aber jedenfalls kein Beweis für Auflösung des organisatorischen Interesses. Denken wir schließlich an die Leistungen des Emergency Fund (Hilfsfonds), der nach den Augustunruhen im Jahre 1929 geschaffen wurde, denken wir an den Aufschwung der W.I.Z.O., so kann man aus dieser für die innere Diagnose, wie gesagt, nicht beweiskräftigen statistischen Betrachtung keineswegs generell den Schluß ziehen, daß das Gefüge der Organisation in seinem äußeren Bestände gefährdet ist. Hier muß eine Einschränkung gemacht werden: Man kann nicht über die Gesamtlage der Zionistischen Organisation sprechen, ohne die Aufmerksamkeit auf das Problem Amerika zu lenken. Amerika leidet wie andere Länder unter der Wirtschaftskrise und findet sich vielleicht besonders schwer getroffen, weil die Amerikaner an Krisen dieser Art nicht gewöhnt waren. Dennoch kann die Entwicklung in Amerika, im Gegensatz vielleicht zu anderen Ländern, nicht ausreichend mit wirtschaftlichen Vorgängen erklärt werden. Die amerikanische Organisation hat in den letzten zwei Jahren die innere Schwäche enthüllt, die zweifellos bereits früher bestanden hat, die aber jetzt durch die deprimierenden "Wirkungen der Wirtschaftskrise und vor allem durch innere Gegensätze im zionistischen Lager Amerikas besonders akzentuiert worden ist. Amerika bedeutet heute für die zionistische Bewegung mindestens die Hälfte ihrer Welt und kann daher nicht auf einer Stufe mit anderen kleineren Landesgruppen betrachtet werden. Wir erwarten von unseren amerikanischen Freunden Erklärungen über die letzten zwei Jahre und wollen in gemeinsamer Beratung mit ihnen über Mittel und Wege zur Besserung sinnen. Eine besondere Erwähnung bei diesem Überblick über die äußere Ent-