Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 93)
- Language
- German, English, Hebrew
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90 j. Kongreß-Sitzung: Referat über die Arbeit des Keren Kajemetb den die Juden die Möglichkeit haben, Boden zu bekommen, oder nicht? Alles andere sind Redensarten. Und in dieser Beziehung ist unsere Position schwach. Wir haben heute von Weizmann den Vorwurf gehört, den er dem jüdischen Volke macht. Wir haben eine Million Dunam gekauft; warum habt Ihr uns nicht das Geld gegeben, um drei Millionen zu kaufen? Ich akzeptiere den Vorwurf, den Weizmann gemacht hat, aber ich muß doch einen anderen Vorwurf hinzufügen, der sich gegen die zionistischen Führer richtet. Sie wissen, wie schwer wir die Käufe, denen wir unseren wichtigsten Bodenbesitz verdanken, gegen den Willen der zionistischen Führer durchgesetzt haben. Die Käufe im Emek, Wadi Chawarith und in der Haifa Bay, das alles mußte erst erkämpft werden. Heute handelt es sich nicht mehr nur um Geld, so wichtig dies auch ist, sondern um die politischen Möglichkeiten. Fahren Sie doch durch das Land, dann sehen Sie: 95 Prozent des Bodens sind wüst und leer. Und da spricht man von Überfüllung. Aber unsere Gegner sind bessere Politiker als wir (Beifall), sie wissen genau, wo sie uns antasten sollen. Sie begnügen sich nicht mit der Frage des Bodens im allgemeinen, sondern lassen ihre Kanonen gegen die Institution auffahren, welche die Trägerin des Gedankens des nationalen Bodenbesitzes ist und diesen Gedanken im Leben realisieren will, gegen den Keren Kajemeth Lejisrael. Man beschuldigt den Keren Kajemeth, daß seine zwei Hauptprinzipien gemeinschädlich für das Land seien» Die Erwägungen unserer Gegner sind folgende: Wenn ein Jude als Privater ein Stück Boden kauft, so ist das selbstverständlich schlecht, da die jüdische Macht im Lande größer wird, aber es besteht doch noch Hoffnung, daß eine Zeit kommt, daß dieser jüdische Private seinen Boden verkauft; dann ist man ihn wieder los. Aber wenn dieser Boden dem Jüdischen Nationalfonds gehört, dann gibt es keine Hoffnung mehr, denn der Keren Kajemeth-Boden bleibt für immer und ewig Eigentum des jüdischen Volkes. Die zweite Erwägung der Gegner ist: Wenn auf dem jüdischen Boden, der Privateigentum ist, die Eigentümer mit ihrem Geld Juden sind, aber die Arbeiter mit ihrem Schweiß Nichtjuden, dann gibt es eine Hoffnung, daß dieser Boden früher oder später nichtjüdischer Boden wird. Man müßte doch blind sein, um nicht den Gang der Welt zu verstehen, nicht zu verstehen, daß, wenn wir jüdisches Kapital mit nichtjüdischem Schweiß aufbauen, derjenige bleiben wird, der den Schweiß gegeben hat, und nicht der, der das Geld gegeben hat (Beifall). Wenn es nun eine Institution wie den Keren Kajemeth gibt, der als eine der Hauptforderungen den hundertprozentigen jüdischen Schweiß, nicht nur das jüdische Geld stellt, dann ist es — so sagen die Gegner — für alle Ewigkeit sicher, daß der Boden jüdisch bleibt* und darum muß man gegen diese Institution einschreiten. Aus diesen Erwägungen entstand in den Berichten, Kommissionen und Briefen die Forderung, daß man Bedenken gegen solche Institutionen wie den Keren Kajemeth hat, der auf zwei so furchtbaren Grundlagen beruht: der Unmöglichkeit, jüdischen Boden jemals zu verkaufen, und der Unmöglichkeit, nichtjüdischen Schweiß auf dem Boden arbeiten zu lassen. Der Streit entwickelte sich weiter und begann ideologischen Charakter anzunehmen. Ich erklärte Herrn Simpson: Sie weisen darauf hin, daß der Boden, der nach unseren Statuten nicht verkauft werden darf, toter Boden sei. Warum fragen Sie solche Dinge nicht den mohammedanischen Wakuf, der auch nicht das Recht hat, seinen Boden zu verkaufen? Ich fragte Herrn Simpson weiter: Sie wissen, daß man in der ganzen