Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 92)
- Language
- German, English, Hebrew
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Brodetsky, Ussischkin 89 aufstellen. In der politischen Geschichte eines jeden Volkes kommen von Zeit zu Zeit verschiedene Ereignisse und Unglücksfälle vor. Bei der Festsetzung von Richtlinien muß dann ein jedes Volk erwägen, wie es das Ziel erreichen kann, das es sich gesetzt hat (Lebhafter Beifall). REFERAT ÜBER DIE ARBEIT DES KEREN KAJEMETH. MENACHEM M. USSISCHKIN (Allg., Erez Israel, Vorsitzender des Direktoriums des Keren Kayemeth Leisrael, mit anhaltendem Beifall empfangen — spricht deutsch): "Wenn jemand von uns in einem Worte das Hauptproblem unserer Bewegung in den letzten zwei Jahren wird charakterisieren wollen, so wird es nur das Wort sein können: Bodenproblem. Das stand im Zentrum der Ereignisse der letzten zwei Jahre. Die Elemente, die dem jüdischen Volk die Möglichkeit, sein altes Land wieder aufzubauen und es zu einem jüdischen Lande zu machen, nehmen wollen, suchen Mittel, um den Drang der Juden nach Erez Israel zu unterdrücken. Man begann mit den alten Mitteln des „Pen Jirbu", im Jahre 1920 mit dem ersten palästinensischen Pogrom, man wiederholte ihn 1921 und in größerem Maßstab 1929. Doch es hilft nichts, Pogrome werden uns nicht davon abhalten, nach Erez Israel zu gehen (Lebhafter Beifall). Nehmen Sie z. B. den letzten und schrecklichsten Pogrom. 160 Märtyrer begruben wir, und über 3000 neue Juden kamen. Man zerstörte jüdisches Eigentum, und das jüdische Volk schickte spontan 650.000 Pfund für den Aufbau des Zerstörten (Beifall). Die Menschen, die die Pogrome gemacht, organisiert, zugelassen und ihnen zugesehen haben, wissen jetzt, daß es auch auf diesem Wege nicht geht. Man mußte andere Mittel suchen und man fand die Begrenzung der Immigration. Auf Schritt und Tritt erdachte man verschiedene Formeln und Begrenzungen, Paragraphen und Schikanen, und trotzdem kommen Juden ins Land. Man kann die Tür nicht versperren. Auf alle mögliche Weise kommen wir hinein. Gegen Pogrome und schlechte und unvernünftige Gesetze gibt es noch eine öffentliche Meinung in der Welt, gibt es noch anständige Menschen unter den Völkern der Erde, die wissen, was man damit meint. Auch so kann man also die Strömung des jüdischen Volkes nach Erez Israel nicht aufhalten. Man fand einen dritten Weg, antisemitische Formen im Lande, Verdrängung aus Militär, Ämtern und Polizei; aber auch das half nichts. Die Juden blieben im Lande, wenn auch nicht als Beamte oder Polizisten. Es war schwer, das zu ertragen, aber man kann es überwinden und das Land aufbauen. Es muß schon ein ganz radikales Mittel sein, das der Bewegung der Juden, ihr altes Land aufzubauen, das dem Zionismus ein Ende machen kann, ein Mittel, das sich nach außen, der .Welt gegenüber, idealistisch drapieren läßt. Das Mittel hat man gefunden. Es ist der Boden. Wem der Boden gehören wird, der wir der Herr des Landes sein. Ihr könnt eine Million Menschen nach Tel Aviv bringen, ihr könnt Fabriken und Wolkenkratzer bauen; wenn der Boden ringsherum von einem fremden Landvolk besessen wird, dann wird es nicht Erez Israel sein, sondern Palästina bleiben. In den letzten zwei Jahren hat man plötzlich entdeckt, daß in Erez Israel kein Boden mehr vorhanden ist. Wenn man die Kommissionen und Sitzungen, die Berichte, Gutachten, Verhandlungen und Briefe während dieser ganzen zwei Jahre betrachtet — stets handelt es sich um eine Frage: Wer-