Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 82)
- Language
- German, English, Hebrew
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Weizmann 79 In dieser schweren und gespannten Zeit, da die Tore beinahe aller Immigrationsländer sich schließen, sollte die Möglichkeit der Ansiedlung von weiteren, wenigstens 50.000 jüdischen Familien auf dem Boden Palästinas „auf Grund von Recht und nicht aus Duldung" mit all den moralischen und materiellen "Werten, die die Ausführung eines solchen Planes in sich schließt, machtvoll zu den Herzen der Juden in der ganzen Welt sprechen. Hier öffnet sich ein weites Feld nicht nur für die nationale Kolonisation, sondern auch für den privaten Unternehmungsgeist, der unterstützt, organisiert, gelenkt und gefördert werden soll. Jetzt mehr denn je beginnt Palästina Möglichkeiten einer industriellen Entwicklung zu zeigen, die in den nächsten zwei oder drei Jahren feste Formen annehmen dürften, wenn der Hafen vollendet und Haifa der Endpunkt einer ölröhrenlinie und eines direkten Eisenbahnnetzes werden wird. Auch hier erschließt sich ein weites Gebiet für jüdische Betätigung, die ihrerseits die Möglichkeit der Absorption von Immigranten beträchtlich steigern wird. Die nächsten Jahre werden von kritischer Bedeutsamkeit sowohl für unsere städtische als auch für unsere landwirtschaftliche Entwicklung sein. Die Ausführung des eben skizzierten wirtschaftlichen Programms (das die noch unbestimmten Möglichkeiten im Distrikt von Beerscheba außer Acht läßt) hängt zu einem hohen Grade von der Organisation unserer eigenen Kräfte ab, kann aber beträchtlich ermutigt und gefördert werden, wenn die Mandatarmacht die Bestimmungen des Mandats in Geist und Wort ausführen wird. "Wir haben ein Recht, das zu erwarten, und wir werden in unserem Rechte von der aufgeklärten öffentlichen Meinung in England und in der Welt unterstützt werden. Wir können und werden die Durchführbarkeit unseres Programms beweisen. Wir können auch den gewaltigen Wert beweisen, den es für die Juden und für Palästina in sich schließt. Wir sind bereit, unsere besten Anstrengungen einzusetzen, und auf Grund der feierlichen Zusagen, die uns gemacht worden sind, verlangen wir, daß unsere Aufgaben und unser Werk erleichtert werden und daß diese Politik ihren realen Ausdruck in der gesetzgeberischen und administrativen Praxis in Palästina findet. Es ist nicht genug für die Verwaltung, das Gleichgewicht zu halten und sonst passiv zu verbleiben (von Gegnerschaft nicht zu reden); was nötig ist, ist ihre aktive Kooperation und Sympathie. Wir sind Zeugen der großen Veränderungen gewesen, die durch unsere Arbeit in Palästina zuwege gebracht wurden, und doch sind wir noch am Anfang, eben erst heraus aus dem Versuchsstadium. Wenn das Programm, das ich skizziert habe, wirklich in naher Zeit vollendet sein wird, dann werden sich auch neue Möglichkeiten und noch ungeahnte Perspektiven eröffnen und das jüdische Nationalheim wird zu einem großen und schönen Gebilde werden. Aber wenn wir das, was möglich ist, geringachten und herabsetzen, während wir das Unmögliche zu erreichen suchen, werden wir einen schweren Irrtum begehen, für den die Geschichte uns zur Rechenschaft ziehen wird. Ich habe bereits angedeutet, was nach meiner Meinung das leitende Prinzip unserer Beziehung zu den Arabern sein muß, nämlich politische Parität, unabhängig davon, ob die eine oder andere Gruppe in der Majorität ist: Zwei autonome Kulturen bestehen nebeneinander in Palästina, der „gemeinsamen Heimat", wie sie in der Resolution des 12. Kongresses genannt ist. Sowohl Juden wie Araber werden zum Verständnis dieses Zieles erzogen werden müssen. Nur dann können sich normale und friedliche Beziehungen zwischen den zwei Völkern