Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 83)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476288--7888-3484037- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
8o 2. Kongreß-Sitzung: Referat über zionistische Politik entwickeln. Eine Abteilung für die Frage der Beziehungen zu den Arabern sollte in der Palästina-Exekutive errichtet werden mit einem Mann von großer Autorität an der Spitze. Dieses Departement müßte in seinen Maßnahmen geleitet werden von der Politik, die ich skizziert habe, und seine Aufgabe wäre die Förderung arabisch-jüdischer Kooperation in allen Lebenssphären durch die Pflege des Studiums von Arabisch und die Teilnahme von Arabern an wirtschaftlichen Unternehmungen nicht nur in Palästina selbst, sondern auch in den arabisch sprechenden Nachbarländern. In gedrängter Zusammenfassung würde das Programm, das Agency und Zionistische Organisation erwartet, also umfassen: erstens: die Aufrechterhaltung unserer im Mandat enthaltenen Rechte; zweitens: die Konsolidierung und Ausdehnung unseres bestehenden Werkes in Palästina, einschließlich Kolonisation der sogenannten Mittelklassen; drittens: die Stärkung der nationalen Fonds, des Keren Hajessod und Keren Kajemeth, wenn möglich ergänzt durch die Aufnahme einer jüdischen Anleihe (oder durch eine sonstige Finanzoperation größeren Stiles) für die Zwecke der nationalen Kolonisation, wie für die Entwicklung und Förderung von Privatunternehmen; schließlich: die Ausgestaltung der Organisation der Agency selbst auf einer breiteren und gesicherten Grundlage. Von vielerlei Faktoren hängt der Erfolg unseres "Werkes ab. Einige von ihnen stehen völlig außerhalb unserer Beeinflussung; nur wenige können wir wirklich meistern. Wir können bis zu einem gewissen Ausmaße die jüdische Meinung beeinflussen und an das Gewissen, die Empfindungen und das Pflichtgefühl des jüdischen Volkes appellieren. Wir können die Macht eines solchen Appells steigern durch unsere eigene unerschütterliche Loyalität für unsere Bewegung, durch unser Vertrauen in die materiellen und sittlichen Kräfte, die im jüdischen Volke ruhen, durch den Glauben an die Gerechtigkeit unserer Sache. Die Verfechter einer jüdischen Sache, wenn sie gelingen und nicht mißverstanden werden soll, müssen aufs Sorgsamste darauf bedacht sein, wenn sie diese Sache vortragen und vertreten, nur solche Methoden anzuwenden, die der höchsten ethischen Prüfung standhalten können. Alles, was wie Beherrschung durch physische Gewalt aussieht, welche Form immer solche Gewalt annehmen mag, alles was auch nur entfernt den Kolonisationsmethoden ähnelt, wie sie in vergangenen Jahrhunderten praktiziert wurden, wäre in unserem Falle nicht zu rechtfertigen, wäre eine Verleugnung unserer Geschichte. Die ständige Formulierung maßloser Forderungen ist nur eine Gefahr für die Sicherheit des Mandates. Wir haben andere Wege und Mittel gesucht. In diesem Bemühen bin ich nicht immer erfolgreich gewesen, aber wenn ich heute mein Amt niederlege, formell und endgültig, so fühle ich doch, daß ich die Bewegung ihrem Ziel ein wenig nähergebracht habe. Dieses Ziel werden wir erreichen — lamroth hakol. Vieles hat sich gewandelt seit 1918. In einer Welt, die von unerhörten Schwierigkeiten bedrängt war, sind große sittliche Ideen in ihrem Wert und Gewicht gesunken. So ist es gekommen, daß wir heute weniger verstanden werden als zur Zeit, da die Balfour-Erklärung veröffentlicht wurde.. Und darum haben wir uns heute vor allem auf unsere eigenen Kräfte zu verlassen, werden wir auch gerichtet werden nach unseren eigenen Leistungen.