Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 80)
- Language
- German, English, Hebrew
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Weizmann 77 Sinne, es ist eine große und menschliche Auffassung, die der Sympathie denkender Menschen sicher sein kann. Diejenigen, die durch Wort oder Tat den Arabern Palästinas Grund geben, unsere Absichten zu mißdeuten, laden eine sehr schwere Verantwortung auf sich, und ebenso schwer ist die Verantwortung derer, die auf arabischer Seite unsere Absichten falsch darstellen und die Beziehung zwischen den zwei Rassen vergiften. Auf unserer Seite sind sich verantwortliche Gruppen des Jischuw voll der Notwendigkeit bewußt, eine Zusammenarbeit sowohl auf dem Gebiete des ökonomischen Lebens, als in der sozialen und intellektuellen Sphäre zu suchen und in die Wege zu leiten. Aber diese Anstrengungen waren bis jetzt nur auf bescheidene Anfänge beschränkt. Sie müssen gepflegt und weiter entwickelt werden. Neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit im gemeinsamen Interesse von Arabern und Juden werden sich vielleicht in dem vorgeschlagenen Landentwicklungsplan ergeben. DIE JEWISH AGENCY. Ich habe schon mehr als einmal auf die Schwierigkeiten hingewiesen, mit denen wir zu kämpfen hatten. Schon in einem frühen Stadium wurde man sich bewußt, daß die Kräfte der Zionistischen Organisation allein nicht ausreichen würden, den immer gesteigerten Anforderungen, die die Errichtung des Nationalen Heimes an sie stellte, gerecht zu werden. Man war sich weiter dessen bewußt, daß die Balfour-Deklaration und das Mandat nicht die Prärogative einer Gruppe in Israel waren und daß die "Welt erwartete (wie es auch das Mandat annahm), daß die Judenheit als ein Ganzes an der Errichtung des Nationalen Heimes Anteil nehmen werde. Die Mehrheit der Juden bekannte sich nicht zu allen Artikeln des zionistischen Programms, aber dennoch fühlten viele von ihnen, daß sie gern an dem Aufbauwerk in Palästina mitwirken würden. Zu diesem Zweck ist die Jewish Agency geschaffen worden, nach langjährigen Unterhandlungen und mühsamen Anstrengungen, die sich über fünf Jahre hinzogen. Im August 1929 wurde auf der in Zürich abgehaltenen Versammlung die erweiterte Jewish Agency gegründet. Wir verließen diese erste Sitzung des Councils der Agency voll von großen Hoffnungen, daß nun eine neue Periode für die Entwicklung unseres Aufbauwerks in Palästina auf breiterer und großzügigerer Grundlage denn je zuvor einsetzen würde. Aber das Unglück wollte, daß von Beginn an, beinahe in der Woche ihrer Entstehung, die Agency ein grausamer Schlag nach dem andern traf: der Tod Marshalls, die tragischen Ereignisse in Palästina, alle die sorgenvollen Geschehnisse, die ihm folgten, dann der Verlust Lord Melchetts und schließlich die finanzielle Deroute in der ganzen Welt. Die neue Organisation hat wirklich keine richtige Möglichkeit bekommen, sich zu bewähren. Sogar alten und erprobten Zionisten konnte es geschehen, daß ihre Grundsätze erschüttert wurden, daß sie das Gleichgewicht verloren und sich in extreme Gedankengänge verirrten, statt der Wirklichkeit mit Ruhe und Festigkeit entgegenzutreten. Um wieviel ernster muß die Einwirkung dieser beiden letzten Jahre auf diejenigen gewesen sein, die vorher in ihren Ansichten zu Palästina unsicher und zögernd gewesen waren und an das Problem manchmal mit einer gewissen Furcht, manchmal sogar mit Skeptizismus herantraten. Sogar in normalen Zeiten wären zwei oder drei Jahre nötig gewesen, um die Organisation