Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 78)
- Language
- German, English, Hebrew
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Weizmann 75 beiter haben als Pioniere die Straße freizumachen für den Einzug des privaten Kapitals. Dieser Aspekt unseres wirtschaftlichen Werkes in Palästina hat unsere Gegner manchmal veranlaßt, uns als Visionäre, als unpraktische und nicht geschäftsmännische Leute zu brandmarken, und sie benutzen in ihrer Polemik mit großer Leichtfertigkeit, wenn auch nicht ohne Geschick, gern die Bezeichnung „Bathlanuth". Darf ich sagen, daß „Bathlanuth" nur eine relative und nicht eine absolute Bezeichnung ist? „Bathlanuth" bedeutet: auf die Wirklichkeiten einer Situation keine Rücksicht zu nehmen oder den Versuch zu machen, ihrer Herr zu werden durch Geprahle und Getue, das keine Beziehung hat zu den wirklichen Tatsachen. Ich glaube, niemand kann klarer gezeigt haben als wir, daß die vielen Hindernisse und Schwierigkeiten auf unserem Wege nicht durch bloßes Schreien und Protestieren bewältigt werden können. Die Mauern Jerichos fielen beim lauten Schall der Trompeten und des Kriegsgeschreis. Ich habe nie gehört, daß mit solchen Mitteln Mauern aufgerichtet wurden (Lebhafter Beifall und Heiterkeit). Ich habe unsere Kritiker höhnisch darüber sprechen hören, was sie die alte „Chibbath-Zion-Politik" von „noch einem Dunam und noch einem Juden, noch einer Kuh, noch einer Ziege und noch zwei Häusern mehr in Chederah" nennen. Wenn es einen anderen Weg gibt, ein Haus zu bauen, als indem man Ziegel um Ziegel legt — ich kenne ihn nicht; wenn es einen andern Weg gibt, ein Land aufzubauen, als Dunam nach Dunam, Mann nach Mann, Wirtschaft nach Wirtschaft — ich kenne ihn nicht. Einen Mann an den andern reihen, einen Dunam an den andern, in langen Zwischenpausen oder in schneller Reihenfolge — das ist eine graduelle Frage, und sie wird, wie ich gesagt habe, nicht durch Politik allein, sondern in einem viel größeren Maße durch wirtschaftliche Faktoren bestimmt. Hätten wir die Mittel gehabt, wir hätten schneller vorwärts gehen können. Wir hätten auch, darf ich hinzufügen, mit größerer Autorität auf dem Gebiete der Politik sprechen können, wäre unsere finanzielle Stütze kräftig und immer der Aufgabe angemessen gewesen, die wir gerade vor uns hatten. Aber diese Zusammenhänge von Politik und unserer Aufbau-Arbeit habe ich schon in meinen politischen Ausführungen zur Genüge erörtert. ARABISCH-JÜDISCHE BEZIEHUNGEN. Als wir unsere Arbeit der Errichtung unseres nationalen Heimes in Palästina aufnahmen, haben weder wir noch die britische Regierung die Interessen der palästinensischen Araber aus den Augen verloren. Aber es war damals, in den Jahren 1916 bis 1921, angenommen, daß die nationalen Gefühle der palästinensischen Araber sich in Bagdad, Mekka und Damaskus konzentrieren und ihre natürliche und völlige Befriedigung in den arabischen Königreichen finden würden, die aus der Friedensvertrags-Ordnung für den Nahen Osten hervorgegangen sind. Es war darum angenommen, daß alles, was in Hinsicht auf die Araber in Palästina nötig war, darin bestand, daß ihre bürgerlichen und religiösen Rechte als Individuen durch die Errichtung eines jüdischen nationalen Heimes nicht in Frage gestellt würden, und für einen solchen Schutz trafen die Balfour-Deklaration und das Mandat reichliche Vorsorge. Aber die Frage erwies sich als viel komplizierter, als man angenommen hatte. Ich glaube nicht, daß man mich ehrlicherweise beschuldigen kann, das ara-