Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 77)
- Language
- German, English, Hebrew
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74 2. Kongreß-Sitzung: Referat über zionistische Politik größte Sorge der Preis seiner Munition wäre? Es ist eine wirkliche Gefahr, die entstehen kann aus einem Mißverstehen der Gegebenheiten unserer Position in Palästina und einer Nichteinschätzung jener Kräfte, die unsere Erneuerungs- Bewegung beherrschen oder ihr immanent sind; und es kann leicht geschehen, daß die konsequente Anwendung von starren, nüchternen und rechnungsmäßigen Business-Methoden, an sich eine übenswerte Tugend, in der Zeit eines nationalen Kampfes ein verhängnisvolles Versagen zur Folge haben würde. Die Wahrheit ist, daß es in Palästina auch heute noch nicht das gibt, was man eine vollkommen fix und fertige „Business-Grundlage" nennen könnte. In Palästina, wie es im Jahre 1920 aussah, gab es auch nicht die Spur einer Aussicht auf solch eine Business-Grundlage. Palästina in jenen Tagen würde auch nicht einen Penny fremden Kapitals auf dem üblichen Wege ökonomischer Entwicklung angezogen haben. Es gab keine kommerzielle Aussicht, daß Investierungen im Lande in absehbarer Zeit Nutzen bringen würden. Sicherlich gab es keine Aussicht auf Profit innerhalb einer Zeitspanne, in der ihn der Geschäftsmann normalerweise zu erwarten pflegt. Die Business-Grundlage für die Entwicklung Palästinas mußte erst geschaffen werden, durch die Arbeit der Chaluzim und durch die Investierungen d fonds perdu des Keren Kajemeth und des Keren Hajessod. Erst in den letzten Jahren hat sich eine wirkliche Geschäftsbasis in Palästina entwickelt. Die große Welt — Nichtjuden sowohl als Juden — fängt gerade an herauszufinden, daß es in Palästina Gelegenheiten für die Anlage von Kapital gibt mit zumindest der Aussicht auf einen normalen kommerziellen Profit. Und es kann ganz gut sein, daß in zehn oder zwanzig Jahren, wenn die Entwicklung andauert, Palästina eine wirklich „gute Sache" an den Börsen der Welt werden wird. Dann mag auch privater Unternehmungsgeist alles sein, was man nötig hat, aber es ist ganz sicher — ohne daß ich das, was private Initiative im letzten Jahrzehnt geleistet hat, im geringsten unterschätzen möchte — daß ohne das Werk der Jewish Agency, des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth auch jetzt noch nicht die Rede wäre von einer Geschäftsbasis in Palästina durch die einfache Wirkung der natürlichen wirtschaftlichen Gesetze und daß auch keine Aussicht für eine solche Entwicklung für absehbare Zeit hinaus bestände. So können wir, glaube ich, für uns in Anspruch nehmen, in einem beträchtlichen Maße die notwendigen Bedingungen geschaffen zu haben, unter denen sich die Schlüssel-Industrien Palästinas entwickeln und ausdehnen können. Das gilt auch für die besonderen Bedingungen, unter denen allein eine Konsolidierung derjenigen Zweige der Landwirtschaft gesichert werden kann, für die Privat- Kapital nicht erhältlich ist und für die Voraussetzungen einer normalen und umfassenden Entwicklung der palästinensischen Landwirtschaft überhaupt. In Hinsicht auf die industrielle Entwicklung sind wir durchaus nicht müßig gewesen. Die Konzession für Licht und Kraft, die Tote Meer-Konzession — diese Dinge fallen nicht vom Himmel. Sie waren das Ergebnis ernster und andauernder Bemühungen seitens der Konzessionäre und der Jewish Agency. Wir waren es auch, die wissenschaftlich den Boden für die agrikulturelle und industrielle Entwicklung vorbereitet haben. In einem Lande, das so arm ist wie Palästina, muß das letzte Wort der Wissenschaft angewandt werden, wenn der Wettbewerb auf dem Weltmarkte erfolgreich sein soll. Privates Kapital also kann individuelle Unternehmungen begründen. Aber es ist das nationale Kapital, das die Bedingungen zu schaffen hat. Geld und Ar-