Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 69

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 69 (sequence 72)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476288--7877-3484026
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Weizmann 69 licht, und wir bekamen den Text beider Dokumente zu einer Zeit vorgelegt, als es bereits zu spät war, irgend eine Änderung an dem Weißbuch vorzunehmen. Der Inhalt dieser Dokumente ist Ihnen allen bekannt. Ich will darum nur mit einem "Worte sagen: ^daß das Weißbuch uns gleichbedeutend erschien mit einer Aufhebung des Mandats und daß es unserer Meinung nach jede Möglichkeit des Weiterbestehens einer Kooperation zwischen Jewish Agency und britischer Regierung beseitigte. Wir verweigerten die Anerkennung dieses Dokumentes. Und das nicht nur aus rechtlichen Gründen, sondern auch, weil es die ganze Basis unseres Lebens und unserer Zukunft in Palästina zu vernichten drohte. Ich will hier nicht dabei verweilen, was ich empfand, als ich im Oktober 1930 mich gezwungen sah, vor aller Welt den offenbaren schließlichen Mißerfolg meiner Politik der Kooperation mit der britischen Regierung zu bekennen. An dem gleichen Tage, an dem das Weißbuch veröffentlicht wurde, kündigte ich meine Resignation von der Präsidentschaft der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency an. Sie wissen, es war beabsichtigt, unmittelbar den Kongreß und den Council einzuberufen, damit sie zur geschaffenen Lage Stellung nehmen und über alle sonst zu treffenden Maßnahmen Beschluß fassen könnten. Aber in der Zwischenzeit bis zur Vornahme neuer Wahlen trat ein Wechsel in der ganzen Situation ein. Der englische Ministerpräsident ließ eine Einladung an uns ergehen, unsere Einwände gegen das Weißbuch mit einem Komitee des Kabinetts zu diskutieren. Wir würden die volle Möglichkeit erhalten — so sagte man uns zu — unsern Standpunkt darzulegen und unsere Sache zu vertreten, und es würde allen Beschwerden, deren Berechtigung wir nachweisen könnten, Genüge geleistet werden. Diese Zurateziehung unserer Seite, wie sie in der Vergangenheit üblich gewesen war und die Lord Passfield im Oktobr 1930 glaubte ablehnen zu sollen, fand nunmehr statt — und in der Form einer Beratung mit einer autoritativen Körperschaft britischer Staatsmänner. Es war Gebot der Pflicht, nach dem Schiffbruch der Staatskunst, wie es das Weißbuch vom Oktober 1930 war, den Versuch zu machen, unser politisches Gut wieder in Sicherheit zu bringen, wenngleich auch das größte staatsmännische Geschick den Schaden nicht wieder gutmachen könnte, den das Weißbuch Palästina zugefügt hatte — dem Frieden im Innern, den Beziehungen zwischen Juden und Arabern und den Beziehungen beider zur Mandatarmacht. Das Weißbuch als solches konnte nicht zurückgezogen werden — es gab keinen Präzedenzfall in der konstitutionellen Praxis Englands dafür, daß eine politische Erklärung innerhalb einer Woche nach ihrer Veröffentlichung zurückgezogen worden wäre. Aber von einer solchen formellen Zurückziehung abgesehen, durften wir Genugtuung für unsere berechtigten Beschwerden erwarten. Die Frage war also, ob wir das Angebot, das uns redlichen Sinnes gemacht wurde — und später in redlicher Weise durchgeführt wurde (Zwischenruf LICHTHEIM: „Nein!"), annehmen oder auf einer klaren und einfachen Zurückziehung des Weißbuches bestehen sollten, obwohl wir wußten, daß die Regierung einem derartigen Verlangen nicht nähertreten konnte. Eine solche Forderung von unserer Seite hätte eines oder das andere zur Folge gehabt: entweder wir hätten in Passivität auf das Kommen einer anderen Regierung warten müssen — und das wäre ein verhängnisvoller Entschluß gewesen; denn in der Zwischenzeit hätte sich das Weißbuch in Gesetz verdichtet, und viele Maßnahmen, die auf

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.