Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 71)
- Language
- German, English, Hebrew
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68 2. Kongreß-Sitzung: Referat über zionistische Politik denen sie erwarten kann, daß sie weder ein Interesse noch Sympathie für die Aufgaben mitbringen, die sie auszuführen haben. Ich kann nur sagen, daß die Erfahrung, die ich bezüglich britischer Regierungen habe — und es ist immerhin eine umfassende Erfahrung — mir gezeigt hat, daß solche Behauptungen gegenstandslos sind. Ich glaube, die Engländer sind das am wenigsten antijüdisch: eingestellte Volk der "Welt; und ich glaube, daß die englischen Regierungen wirklich ehrlich besorgt sind, daß die Mandatspolitik in Palästina zu einem Erfolge führt. Aber man darf nicht übersehen, um es so auszudrücken, daß für das britische Kabinett Palästina nicht die einzige Sorge ist und daß natürlich sehr viel den Männern an Ort und Stelle überlassen bleiben muß — ihnen und uns.. Das Problem Palästina ist sui generis und stellt beträchtliche Anforderungen an die Verwalter. Sogar eine britische Verwaltung sieht sich zum ersten Mal vor ein solches Problem gestellt. Dennoch — ein Teil der Kritik, die man an der Jewish Agency wegen des langsamen Fortschritts des Aufbaus des jüdischen Nationalheims üben würde, kann sicherlich mit Recht der Vernachlässigung oder sogar dem Übelwollen, das manche Mitglieder der Palästina-Verwaltung an den Tag gelegt haben, zugeschrieben werden. "Wenn wir aber das schädliche Verhalten dieser Männer, von denen vielleicht der eine oder der ander sogar so weit gehen mag, den Versuch zu machen, unsere legitimen Ansprüche zu vereiteln,, offen tadeln, so dürfen wir darüber nicht die Dankesschuld vergessen, zu der wir andern Vertretern der Zivilverwaltung gegenüber verpflichtet sind — Männern wie Sir Herbert Samuel, Lord Plumer, Sir Wyndham Deedes und dem verstorbenen Sir Gilbert Clayton. Um es abschließend noch einmal festzustellen: Wiewohl das Weißbuch von 1922 uns gewiß nicht alles das gegeben hat, was wir von der Palästinaregierung, und dem Mandat erwarteten, so hat es uns doch, wie ich glaube dargetan zu haben, der uns versprochenen Möglichkeit nicht beraubt, unser nationales Heim in Palästina aufzubauen. Der nächste Kommentar an der Balfour-Erklärung,, das Weißbuch von 1930, hat uns diese Möglichkeit genommen. Ich will hier nicht bei den Enttäuschungen, die wir in den letzten zwei Jahren zu erfahren hatten, verweilen — Sie finden das, was darüber zu sagen ist, in dem Ihnen überreichten gedruckten Bericht, in den Sie wohl Einsicht genommen haben. Ich will mich unmittelbar dem Weißbuch vom Oktober 1930 und der dadurch geschaffenen Lage zuwenden. DAS WEISSBUCH VOM OKTOBER 1930. Wir hatten erwartet — und ich glaube, wir waren zu dieser Erwartung: berechtigt — daß die britische Regierung vor Veröffentlichung ihrer auf Sir John Hope Simpsons Bericht gestützten Erklärungen uns eine Gelegenheit bieten würde, unsere Stellungnahme zu diesem Bericht zu unterbreiten, der als Tatsachenbericht sich in wesentlichen Punkten als ein Dokument ohne wirklichen Wert, als eine Kompilation von unbegründeten Annahmen und von mißverstandenen oder entstellten statistischen Daten erwiesen hat. Aber statt die Richtigkeit und Geltung dieses Berichtes durch eine öffentliche Diskussion überprüfen zu lassen — wie es gewöhnlich die Praxis der britischen Regierung bei solchen Berichten ist — hat es das Kolonialamt vorgezogen, seine Erklärung der künftigen Politik auf diesen Bericht ohne jede weitere Prüfung zu basieren. Sir John Hope Simpsons Bericht und das Weißbuch wurden zu gleicher Zeit veröffent-