Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 66)
- Language
- German, English, Hebrew
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Weizmann 63 zupassen, zum Entschlüsse kamen, daß der Zionismus von nun ab den politischen Kampf überhaupt aufzugeben habe und sich ausschließlich auf wirtschaftliche Probleme konzentrieren solle, auf einen Aufbauplan auf „strikter Business- Grundlage" und in der Hauptsache gestützt auf private Initiative. Ich werde darüber in größerer Ausführlichkeit zu sprechen haben, wenn ich später die wirtschaftliche Politik behandle. Auf dem entgegengesetzten Pol befanden sich diejenigen, — man findet sie in allen großen Bewegungen — für die Wirklichkeiten einfach nicht zu bestehen schienen. Die Wirklichkeit, von der allein man ausging, war der Gedanke des Judenstaates. Sie nennen es „HerzPs Politik des Judenstaates" — mit wieviel Berechtigung, werde ich etwas später ausführen. In ihrem Eifer, diesen Judenstaat zu erreichen, haben sie übersehen, daß politisches Gewicht in einem bestimmten Verhältnis zu tatsächlich erreichten Positionen steht; die aber lassen sich nicht durch Proklamationen schaffen. Zwischen diesen beiden Extremen habe ich es versucht, in diesen zehn Jahren einen mittleren Kurs zu steuern, wobei ich weder die wirtschaftlichen Realitäten, noch die politischen Möglichkeiten aus dem Auge verlor. Ich muß es Ihnen überlassen zu entscheiden, welches Maß von Erfolg diesen Bemühungen beschieden war. HERZL'S POLITIK UND DIE POLITIK DES MANDATS. Ich habe kurz vorher HerzPs Politik Erwähnung getan. Ich bin oft beschuldigt worden — selbstverständlich von denen, die für sich selbst in Anspruch nahmen, seiner Politik zu folgen — daß ich die Ideale des Gründers des politischen Zionismus aufgegeben habe, und es scheint mir, daß es vielleicht nützlich sein könnte, für einen Augenblick zu den ersten Quellen zurückzugehen und sich zu überlegen, was denn die Politik Theodor HerzPs war, so wie sie zunächst in seinem Buch, dem „Judenstaat", dann auf dem Basler Kongreß im Jahre 1897 und schließlich durch HerzPs Hauptmitarbeiter und begeisterten Schüler, Max Nordau, im Jahre 1916' zum Ausdruck kam. Das erste, was dem Leser der drei einanderfolgenden Erklärungen HerzPscher Politik auffällt, ist, daß die Konzeption des jüdischen Staates nur in dem Buch* „Der Judenstaat" selbst anzutreffen ist. Nun ist es, wie man weiß, durchaus nicht klar, daß Herzl in seinem „Judenstaat" an Palästina als das Land dachte, in dem sein Plan voraussichtlich zur Ausführung gebracht werden würde. Tatsächlich machen die Ausführungen HerzPs im „Judenstaat" den Eindruck, daß er den Palästina-Plan als einen mehr akademischen betrachtete und geneigt war, ihn als einen „frommen Traum" aufzugeben, weil er wirklichen ernsthaften Erwägungen nicht standhalten könnte. Jedenfalls gibt es kein sicheres Zeichen dafür, daß er definitiv einen jüdischen Staat in Palästina ins Auge gefaßt hat — .der ganze Ton des Buches läßt eher darauf schließen, daß er, als er es schrieb, an ein anderes Land (z. B. Argentinien) dachte und daß die Bezugnahme auf Palästina als eine Alternative erst späterhin hineingebracht wurde, um HerzPs zionistischen Freunden gerecht zu werden (Ich lasse „Altneuland" hier außerhalb der Betrachtung, weil es zugegebenermaßen ein Ausflug ins Utopische ist). Die eben ausgesprochene Vermutung wird unterstützt durch eine Betrachtung der HerzPschen Politik, wie sie sich schließlich entwickelte, als sie in Berührung mit den Wirklichkeiten kam. Auf. dem ersten Zionistenkongreß im