Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 65)
- Language
- German, English, Hebrew
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62 2. Kongreß-Sitzung: Referat über zionistische Politik Ausnahme kleiner Gruppen in Westeuropa und der Judenheit Amerikas wirtschaftlich sich in einem Zustand befindet, der an allerletzte Armut grenzt. Noch auch sahen sie, daß, wie immer die Lage der armen Fellachen in Palästina sein mag, sie noch unvergleichlich gesicherter ist, als die der über die Welt verstreuten jüdischen Massen, die überall einen festen Grund unter den Füßen suchen und ihn nirgends finden. Diese Gegner der Balfour-Deklaration haben auch verfehlt, die gewaltige sittliche Kraft zu bewerten und zu würdigen, die die Hauptstütze unserer Bewegung ist, und nichts bemerkt von der Gerechtigkeit einer Sache, die geheiligt ist durch die tausendjährigen Leiden eines Volkes. Auf politischem Gebiete kam dazu, daß der britische Wunsch nach einem stabilen Regierungs-System in den Gebieten nahe dem Suez-Kanal in manchen Kreisen den Gedanken eines unabhängigen, pro-britischen, moslem-arabischen Reiches im Mittleren Osten wachrief, aus dem sich eine gewisse Opposition gegen das jüdische Nationalheim entwickelte, von dem nur die Fähigsten und Weitsichtigsten unter den Arabern und Pro-Arabern (wie z. B. Col. Lawrence) erkannten, daß es eine Hilfe und nicht ein Hindernis für die nationale arabische Entwicklung bedeuten würde. In den Jahren, die auf 1922 unmittelbar folgten, trat noch etwas anderes hinzu. Es machte sich in gewissen Kreisen eine gewisse Müdigkeit und Abneigung gegen die allzu vielen Verantwortlichkeiten geltend, die das Reich zu tragen hatte, und in deren Gefolge eine Tendenz zu einer Politik der Dezentralisation, die dazu führen sollte, daß man es den Kron-Kolonien überlassen würde, soweit als möglich ihre Geschäfte allein zu führen, um dadurch die Verpflichtungen der Zentralregierung in vielen Hinsichten zu reduzieren. Alle diese Gründe machten es bald deutlich, daß wir eine gewisse Anpassung der im Kriege geborenen idealen Prinzipien an die Nachkriegs-Erscheinungen und -Widerstände zu gewärtigen hatten. Auf jüdischer Seite war die große Antwort, die das jüdische Volk auf die durch die Balfour-Deklaration und das Mandat gebotene Gelegenheit geben sollte, in einem verhängnisvollen Maße eingeschränkt oder aufgehalten durch den völligen Zusammenbruch, den während und infolge des Krieges die judenheit Osteuropas und besonders Rußlands zu erleiden hatte. Gerade diejenigen, die die Pioniere und Hauptstützen unserer Bewegung waren, waren mit einem Mal von uns abgeschnitten, als wären sie für Palästina überhaupt nicht mehr da, und als wir schließlich daran gehen konnten, mit dem Aufbau unseres nationalen Heimes in Palästina zu beginnen, mußten wir es tun, während — metaphorisch gesprochen — unsere Rechte gefesselt war. ETHISCHE MOTIVE. So hatten wir uns also, während wir noch immer auf die letzte formelle Ratifizierung des Mandats warteten, auf eine bevorstehende Auseinandersetzung mit den wirklichen Tatsachen, auf eine Ausgleichung vorzubereiten, — eine Erkenntnis, die immer schmerzlich ist. Es war eine kritisch-angespannte Zeit, und zionistische Menschen und Gruppen reagierten darauf in verschiedenartiger Weise. Es wird jedoch für meinen Zweck genügen, wenn ich mich nur auf drei Gedankengänge oder programmatische Einstellungen beschränke, die sich damals innerhalb der zionistischen Bewegung geltend machten. Da waren zunächst die, die ängstlich bestrebt, sich den Wirklichkeiten an-