Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 62)
- Language
- German, English, Hebrew
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Weizmann 59 Beglaubigungsschein" vorzulegen und unsere Berechtigung, als Vertreter der Weltjudenheit zu handeln, zu beweisen. Daß niemals eine solche Frage an uns gerichtet wurde, ist vielleicht das stärkste Zeichen des intuitiven Verständnisses jener Männer, die mit uns im Namen Großbritanniens sprachen und die uns nicht als die ernannten und erwählten Repräsentanten dieser oder jener Gruppe, sondern als die Fürsprecher eines Volkes im Werden betrachteten. Und das Ganze war noch bemerkenswerter und überraschender, wenn man sich daran erinnert, daß die sogenannten „Großjuden" und die offiziellen jüdischen Kreise damals den zionistischen Idealen und Bestrebungen mit äußerster Gegnerschaft gegen üb er st an den. 2. Die Juden. "Wie die Deklaration und später das Mandat von den Juden selbst und besonders von den jüdischen Massen interpretiert wurde, dafür will ich Äußerungen nicht heranziehen — es wäre eine zu große Schwierigkeit, aus der Masse einzelne Erklärungen auszuwählen, die für bestimmte Auffassungen bezeichnend wären — aber ich denke, niemand wird die allgemeine Feststellung in Frage ziehen, daß sie verstanden wurden als eine Sache von überragender Bedeutung, als ein epochales Ereignis in der jüdischen Geschichte. Das ist bezeugt durch antizionistische ebenso wie zionistische Kundgebungen. Die Zionisten begrüßten die Deklaration jubelnd als den Beginn der Erfüllung unserer alten nationalen Hoffnung, einer Hoffnung, die zugleich, verklärt von einer erhabenen Überlieferung, ein kostbares Gut jüdischen Glaubens ist. Es gibt natürlich viele, die in der Balfour-Deklaration mehr sahen, als eine Erklärung tatsächlich enthalten könnte — die die dargebotene Gelegenheit mit ihrer Erfüllung verwechselten und offenbar vergaßen, daß sie wenn sie auch einen Freiheits-Charakter darstellt, doch zugleich einen Appell und eine Forderung an die Juden bedeutet. Wie bei anderen Menschen und Gruppen, die inbezug auf politische Verantwortlichkeit noch keine Erfahrung haben, konnte es bei uns Juden leicht geschehen, daß man in dem gedruckten Text eines Dokumentes die entscheidende und genügende Garantie politischer Rechte erblickte. Manche haben sich geradezu fanatisch an die Buchstaben des Mandats geklammert und darüber vergessen, seinen Sinn zu erfassen. Wirklichkeitspolitik ist, wie die Dinge der Mechanik, von einer goldenen Regel beherrscht: Man kann aus den Dingen nur das herausbekommen, was man hineintut. Sie haben übersehen, daß das Mandat ein in hohem Maße elastisches Dokument ist, das lebendiges Wesen und Bedeutung nur erhalten kann durch den Inhalt, den wir ihm geben, durch unsere Energien, unsere Arbeit und Leistung. Es hat zweifellos viele gegeben, die sich fragten, ob die Deklaration und das Mandat nicht den Anfang bedeuteten jener lang erwarteten Lösung der „Judenfrage", des Problems, einen Ausweg und eine Erlösung zu finden für die Millionen der Unterdrückten unseres Volkes in den ost-europäischen Ländern, deren Gefangenen dasein unerträglich genug schon in Herzls Zeiten war und von Tag zu Tag noch verzweifelter wurde. Wenn man nur etwas ernster nachdachte, konnte man nicht annehmen, daß sofort eine gewaltige Massen-Immigration von Juden aus aller Welt einsetzen würde, die eine Zufluchtsstätte in Palästina suchen würden — dem schmalen Lande, das sich einschmiegt zwischen Dan und Beerseba. Und wenn es in jenen ersten Zeiten solche gegeben hat, die das wirklich erwarteten, dann kann gesagt werden, daß es an Warnungen von zioni-