Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 61)
- Language
- German, English, Hebrew
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58 2. Kongreß-Sitzung: Referat über zionistische Politik beweis: als die Frage der Wahl einer Mandats-Macht für Palästina zur Diskussion stand, zog die britische Regierung ernsthaft in Erwägung, daß das Mandat in Form eines Kondominiums geschaffen würde, da sie nicht allein eine so ernsthafte neue Verantwortung auf sich nehmen wollte. ZEITGENÖSSISCHE INTERPRETATIONEN DER BALFOUR- DEKLARATION. i. England. Wollen wir uns nun von den Motiven, die zur Veröffentlichung der Balfour^ Deklaration geführt haben, für einen Augenblick einer anderen Betrachtung zuwenden, nämlich den Interpretationen, die in jener Zeit der Balfour-Deklaration von den für ihre Veröffentlichung verantwortlichen Staatsmännern und sodann von den Juden in aller Welt gegeben wurden. Da ist zunächst Lord Balfour. In seinem Brief an Lord Rothschild, mit dem er die Deklaration übermittelte, beschreibt er sie als eine „Sympathie-Erklärung mit den jüdisch-zionistischen Bestrebungen". In einer in der Albert Hall in London am 12. Juni 1921 gehaltenen Rede führte er aus: „Ich hoffe, daß sie (die Araber), wenn sie sich an all das erinnern, dieses kleine Stück Land — denn es ist nichts anderes geographisch, was immer seine Bedeutung historisch sein mag — daß sie dieses kleine Stück Land, das jetzt eingebettet ist in den arabischen Gebieten, dem Volke nicht mißgönnen werden, das durch alle die langen Jahre davon getrennt war, das aber sicherlich ein Recht hat, sich in seiner eigenen Art im Lande seiner Vorväter zu entwickeln." General Smuts3 Auffassung kommt in einer Botschaft zum Ausdruck, die er der „Zionist Review" am ersten Jahrestag der Deklaration zusandte. Er sagt: „So groß auch die Veränderungen gewesen sein mögen, die dieser große Weltkrieg für Gerechtigkeit und Freiheit im Gefolge gehabt hat, ich zweifle, ob eine dieser Umwälzungen an Bedeutung die Befreiung Palästinas und seine Anerkennung als das Heim Israels überragt." Lord Cecil beschreibt am 12. Juli 1920 die Politik der Balfour-Erklärung und des Mandats als den „Versuch, ein altes Volk zu seinem alten Heim zurückzubringen und die gelockerten Fäden seiner nationalen Geschichte wieder zusammenzuknüpfen", und er fügt hinzu: „Wir haben Euch die nationale Existenz gegeben — Eure nationale Zukunft liegt in Euren Händen." Eines geht klar hervor aus diesen und den anderen zeitgenössischen Erklärungen: Was immer das Motiv für die Deklaration gewesen sein mag, man hat uns Juden die Fähigkeit zugetraut, unsern Teil des Kontraktes zu erfüllen. Rückblickend über eine Entfernung von zehn Jahren, erscheint sie uns als eine merkwürdige Sache, diese Verbindung zwischen einer großen Macht und einem Volke „ohne Adresse", ohne anerkannte Vertreter. Dieses Verhältnis war ohne Präzedenz, beinahe revolutionär in seiner Art, eines, das nur Zustandekommen konnte in einer Zeit der Lebenserneuerung, in einer Periode von Verheißung und anscheinend unbegrenzten Möglichkeiten, wie sie dem großen Krieg folgte. In jenen historisch-kritischen Tagen, als diese Verbindung allmählich Formen anzunehmen begann und ihren Niederschlag in internationalen Abmachungen fand» habe ich mich oft gefragt, was wir — ich und meine Freunde, die für das jüdische Volk sprachen — antworten würden, wenn man uns ersuchte, „unseren